CLP075: Wie Podcasts zum Lernen verführen

Podcasts scheinen im Aufwind. Nachdem Privat-Podcasts jahrelang die Szene beherrschten, steigen jetzt Print-Medien und andere Unternehmen immer mehr in die Podcast-Produktion ein.
Ein Grund für das Hören von Podcasts liegt sicher in der massenhaften Verbreitung von Kopfhörern: Jeder scheint heute einen zu haben. Manche geben dafür sogar sehr viel Geld aus. Betrieben werden die Kopfhörer hauptsächlich am Smartphone, ursprünglich wohl um damit Musik zu hören. Damit läßt sich natürlich auch Radio oder Podcast hören.

Auf Anbieterseite gibt es inzwischen unzählige Podcasts. Auf der wohl immer noch größten Podcast Plattform iTunes konnte man 2018 unter 18,5 Millionen Podcast Episoden wählen! iTunes ist aber nicht die einzige Plattform, Soundcloud, Spotify und Co hosten ebenfalls unglaublich viele Podcasts.

Aber warum eignen sich Podcasts nun so gut fürs Lernen? Was macht den Unterschied zu anderen Lern-Medien? Welche Wirkung hat der Sprecher? Und: Wer Podcasts hört, will sich unterhalten – oder lernen? Oder sogar beides?

Dazu habe ich mit Guido Brombach auf der Subscribe 10 gesprochen. Guido ist Pädagoge und podcastet selbst schon lange, aktuell auch bei Bildung Zukunft Technik.

Guido Brombach berichtet, dass er eigentlich Unterhaltung sucht, das dass aber von Lernen nicht zu trennen ist. Er folgt Podcasts mit Menschen, die er kennt. Überhaupt hat für ihn die Beziehung zu den sprechenden Menschen eine hohe Bedeutung. Podcasts führen ihn in Gebiete, die er von sich aus nicht aufgesucht hätte:

“Interessante Menschen können mich mit Dingen beschäftigen lassen, die ich sehr unspannend finde. Und diesen Mechanismus, den kann man sich in Podcasts sehr gut zu Nutze machen …”

Der vom Original, von Guido Brombach gesprochene Text – ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel: Würde ein gelesener Text so viel Zusatzinformationen transportieren? Man kann Guido hier beim Denken zuhören. Man spürt, was ihn bewegt, was ihn nachdenklich macht, wo er sich sicher ist, und was ihm wichtig ist.

Über diese Meta-Informationen spricht auch Tim Pritlove, den ich auf der gleichen Konferenz nach seinem Vortrag kurz interviewen konnte. Tim Pritlove ist so etwas, wie ein Urgestein der deutschen Podcast-Szene. Er produziert verschiedene Podcasts und ist auch der Vater von “Podlove”, den auch wir als Web-Player für Podcasts nutzen.

Tim Pritlove macht schön deutlich, warum Podcasts so persönlich sind. Meist werden Podcasts mit Kopfhörern gehört. Die Sprechenden sind unmittelbar am Ohr und damit ganz nah. Wer frei spricht, dem kann man beim Denken zuhören. Da stecken viele Meta-Informationen drin, wie Sprechpausen, schnell oder langsam, lauter oder leiser, sicher oder unsicher, … Dieses Mehr an Informationen gegenüber einem Text sorgt für mehr Verständnis. Sprache ist die direkte Übertragung von Gedanken aus dem Kopf. Die Kodierung in Schrift-Text muss ja auch wieder vom Lesenden dekodiert und interpretiert werden. Das erhöht das Risiko von Missverständnissen.

Erst wir können heute den gesprochenen Text in Audio-Files konservieren und jedem zur Verfügung stellen. Den missverständlichen Umweg über die Schrift brauchen wir eigentlich gar nicht mehr.

Guido Brombach hat die Beziehung zum Sprecher hervorgehoben. Tim Pritlove beschreibt, wie wichtig das Original als Sprecher ist. Nur der Themen-Experte wird die angeprochenen Meta-Informationen mitliefern. Ein Profi-Sprecher hört sich zwar gut an, aber der Informationsgehalt ist deutlich geringer. Damit haben Podcasts 2 Vorteile: Die weniger kodierte Information, und einen zusätzlichen Informationsgehalt.

Ein dritter Vorteil kommt noch hinzu: Den Experten beim Sprechen aufzunehmen, ist wesentlich einfacher, als das Gesagte in einen Schrifttext zu bringen. Zur Produktion von Podcasts konnte ich Michael Greth interviewen. Er hat bereits über 400 Episoden seines Sharepoint-Podcasts produziert.

Mit soviel Podcast Produktionserfahrung schafft Michael Greth es, dass die Podcast-Bearbeitungszeit nur doppelt so lang ist, wie die erzeugte Podcast-Dauer. Dafür schneidet er nichts mehr. Alles muss von Anfang an passen. Seine Podcasts dauern im Schnitt 30 Minuten, sagt er.

Beim Verhältnis Produktionszeit zu Podcast-Dauer von 2 zu 1 bin ich noch lange nicht. Mit genügend Erfahrung wird der Produktions-Aufwand aber überschaubar. Und wer trotzdem noch Text haben will, der wird in wohl naher Zukunft den Service der automatischen Transkription gut nutzen können. Meine automatischen Transkriptionsversuche waren bisher noch nicht so recht zufriedenstellend. Aber wegen Alexa und Co wird sich das ganz sicher bald deutlich verbessern.

Also: Wag Dich ran ans Aufnehmen von Sprache. Das geht mit jedem Smartphone. Produziere Deinen nächsten Bericht mal als Audio-File. MP3-Dateien lassen sich genauso gut verteilen, wie Word-Dokumente. Der Orginalton ist inhaltsreicher. Und die Produktion ist einfacher als ein Text!

Warum wir alle Journalisten sind – Die Kooperation der CLC mit der Reporterfabrik

Alle aktiven „Teilgeber“ der Corporate Learning Community erhalten einen kostenlosen Zugang zu allen online-Angeboten der Reporterfabrik! Die Reporterfabrik ist ein Ableger von CORRECTIV, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigem Raum. Kooperation zwischen CLC und Reporterfabrik CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH – ist uns zunächst nur aufgefallen, weil uns der Einsatz für besseren Journalismus gefällt. Zitat: „Wir möchten den Weg in eine redaktionelle Weiterlesen …

Community Assemblies auf dem Corporate Learning Camp 2019 in Koblenz

Neben einigen neuen Ansätzen bei der Dokumentation und der Kommunikation rund um das Corporate Learning Camp 2019 in Koblenz gibt es eine weitere Innovation: die Community Assemblies. Eine Community Assembly ist ein Bereich im Camp, der von einer Gruppe von Personen in Selbstorganisation “bespielt” werden kann. Zur Verfügung steht ein Tisch mit 8 Stühlen drum herum, Strom und WLAN. Ansonsten gilt: alles kann, nichts muss, Weiterlesen …

Dokumentation und Kommunikation auf dem Corporate Learning Camp 2019 in Koblenz

Ein neues Corporate Learning Camp ist immer auch eine gute Gelegenheit, einige neue Dinge auszuprobieren. Ich habe mich dieses Jahr bereit erklärt, die Themen Dokumentation und Kommunikation im Rahmen des Camps zu begleiten. Seit uns tixxt 2015 verlassen hat, haben wir für die Kommunikation meist den Newsletter, Twitter mit dem Hashtag des Camps und die Xing-Gruppe der Corporate Learning Community verwendet. Für die Dokumentation kam Weiterlesen …

CLP074: DATEV Software Craftsmanship Community – eine selbstorganisierte Lern-Community

Erstellung und Weiterentwicklung von Software ist eine wesentliche Aufgabe für die DATEV. Rund 800 Softwareentwickler sind dafür bei der DATEV angestellt. Software-Entwickler sind Innovationstreiber, sie müssen sich dafür aber auch selbst ständig mit neuen Sprachen und Vorgehensweisen auseinandersetzen – oder anders ausgedrückt: Sie müssen permanent lernen.

Andreas Fischer hat deshalb schon vor einigen Jahren die DATEV SCC, die DATEV Software Craftsmanship Community gegründet. Heute nehmen praktisch alle DATEV Software Entwickler immer wieder mal an einem der 70 jährlichen SCC-Events teil. Vollkommen freiwillig, ohne Teilnahme-Betstätigung, viele aktiv mit Themenvorschlägen und eigenen Beiträgen. Das Voranbringen der eigenen Entwicklung treibt offenbar die gesamte DATEV-Entwickler-Mannschaft zu diesen selbstorganisierten Lern-Events. Aber Lehr-Veranstaltungen mit Referenten, die vorn Wissen vermitteln, findet man hier kaum. Das Voneinander-Lernen und das gemeinsame Tun steht bei der DATEV SCC im Vordergund.

Mich fasziniert die DATEV SCC auch deshalb, weil hier eine ganze Mannschaft ihre Weiterbildung selber in die Hand genommen hat. Dafür braucht es keine PE-Abteilung, aber einen Rahmen, in dem das intern stattfinden darf. Und den hat Andy Fischer mit seiner Initiative damals geschaffen. Ihn durfte ich auf dem DATEV DigiCamp im Juli 2019 interviewen. Er betreute dort einen ganztägig besetzten Stand zur DATEV SCC, in deren Nähe wir fürs Interview bleiben wollten. Dafür mussten wir die Hintergrund-Geräusche in Kauf nehmen.

Badges für informelles Lernen? Ja, ABER…..

Das Kernteam der CLC arbeitet daran, Badges für Engagement in der Corporate Learning Community zu vergeben. Wir  sind uns einig, dass Badges ein gutes Instrument sind, um einen Lernprozess zu dokumentieren, der nicht Teil eines Ausbildungsganges ist. (Wir reden hier von informellen oder nicht formalen Lernprozessen. Die Unterscheidung ist ziemlich künstlich, aber Details und Definietionen dazu gibts hier: http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/2010_bibb_gutschow118_2010.pdf). Wir beginnen beim CLC19KO mit einem Weiterlesen …

Eine Telegram-Gruppe für das Corporate Learning Camp in Koblenz

Beim cl2025 MOOCathon und der KnowTouch 2018 haben wir recht erfolgreich Gruppen im Messenger Telegram verwendet, um die Veranstaltungen zu begleiten. Deswegen wollen wir so eine Gruppe auch dieses Jahr beim Corporate Learning Camp in Koblenz verwenden. Die Gruppe können wir vor, während und nach dem Camp für ganz verschiedene Sachen verwenden, eurer Phantasie soll hier keine Grenze gesetzt sein. Einige Anwendungsmöglichkeiten, die sich in Weiterlesen …

Agiles Lernen in der Berufsausbildung bei DATEV

“Der Mensch steht im Vordergrund” so beschreibt Harald Eder seine agile Haltung. Seine Auszubildenden behandelt er wie agile Teams, die ihre Aufgaben selber lösen können, und nur ein paar leitende Impulse von ihm als Ausbilder brauchen. Gleich im ersten Lehrjahr werden seine Auszubildenden auf diese Weise ermutigt, Aufgaben im Team gemeinsam zu planen, gemeinsam umzusetzen und am Ende die Arbeit intensiv zu reflektieren: Für jedes zweitägige Lern-Modul sind 2 Stunden Feedback (Retrospektive) vorgesehen. Dass dieses Vorgehen agil ist, erklärt er erst Monate später. Harald Eder will das agile Handeln ganz selbstverständlich einüben. Die Begriffe sind dann später auch leichter zu verstehen. Im zweiten und dritten Lehrjahr steuern sich die Auzubildenden weitgehend selber. Sie suchen sich aus dem DATEV-Weiterbildungsangebot die für sie relevanten Seminare aus.
Intensive Feedbacks steuern auch Harald Eders Handeln: Nächste Kurse laufen anders nach entsprechenden Rückmeldungen der Auszubildenden. Er lebt auch damit seine agile Grundhaltung glaubwürdig vor.

Dokumentieren ist Lernen, ist Kommunikation, ist Netzwerken

Dass man es kaum vermeiden kann, beim Dokumentieren zu lernen, habe ich hier schon einmal ausgeführt. Kurz gefasst: Wer seine Gedanken formuliert, beschäftigt sich intensiv mit dem Gehörten – das nennen wir Lernen. Beim gemeinsamen Dokumentieren lernen lernen wir im Netzwerk. Das Teilen von Beiträgen ist die Basis für die Kommunikation zum Thema und es bildet Netzwerke. Dokumentiere mit, vor – beim – nach dem Weiterlesen …