Headset-Mikrofone – nicht nur für Video-Konferenzen

Zur eigenen Vorbereitung auf gute Audio-Qualität in Online Lernräumen habe ich schon früher geschrieben. Mehrere Gründe sprechen für ein Headset mit gutem Mikrofon. Ralf Stockmann aus der Podcaster-Community hat gerade einen guten Tipp für ein sehr günstiges aber exzellentes Headset-Mikrofon gegeben. Das will ich hier vorstellen, gleich mit Klangbeispielen.

Headset Mikrofon V-Moda BoomPro

Auf dieses abnehmbare Headset-Mikrofon bin ich über diesen Post von Ralf Stockmann gestoßen, der als Podcast-Experte auf der Suche nach guten Headsets für Video-Konferenzen und Podcaster war, und in der Gamer-Szene fündig wurde:

Das V-Moda BoomPro ist aus seiner Sicht der “Gold-Standard” unter den Mikrofonen und kostet nur 32 €. Es braucht aber einen Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenbuchse, die gleich als Halter für das 30 Gramm leichte Mikrofon einschließlich Schwanenhals und 2 m langem Kabel dient.

Das einsteckbare Headset-Mikrofon BoomPro

Wie ich erst jetzt mitbekomme, gibt es schon etliche Kopfhörer mit Klinkenstecker für abnehmbare Kabel. Ich musste mir erst den Beyerdynamic Custom Game besorgen, um dieses Mikrofon zu testen.

Neben dem weichen und ausgewogenen Stimmklang hat das Mikrofon einen weiteren großen Vorteil: Die Blasgeräusche beim Atmen sind kaum zu hören, obwohl noch gar kein Schaumstoff-Windschutz verwendet wird. Und wenn ich das Mikrofonkabel bewege, dann ist auch das praktisch kaum zu hören.

Die Verwendung dieses Mikrofons erfordert aber einen ruhigen Raum. Das ist der Kugel-Charakteristik geschuldet, wie auch dem Fehlen jeglicher Geräusch-Unterdrückung. Hier geht es um den möglichst naturgetreuen Klang.

Das Kondensator-Mikrofon braucht die sogenannte “Tonaderspeisung” zwischen 1 und 10 Volt. Die wird bei Handys und PC mit dem 4poligen TRRS-Stecker auf die Mikrofon-Kontakte standardmäßig aufgeschaltet. Audio Interfaces liefern aber in der Regel 48 V Phantomspeisuung. Die müssen hier mit einem Adapter auf etwa 5 Volt heruntergeregelt werden, z.B. mit dem Rode VXLR+ für etwa 25 €.

XLR-Adapter von 48 V auf 5 V am 3,5 mm Klinkenanschluß
Hörprobe V-Moda BoomPro übers Audio-Interface

Headset Mikrofon BoomPro mit Direkt-Anschluss – ohne externes Audio-Interface

So ist es ja eigentlich für Gamer gedacht: Mikrofon und Kopfhörer sollen direkt mit dem PC verbunden weden, ohne zusätzliches Audio-Interface. Mein Laptop verwendet auch die vierpolige TRRS-Buchse – wie mein Handy auch. Für alle PC mit getrennten Mikrofon- und Kopfhörer-Buchsen ist im Lieferumfang des BoomPro ein Y-Adapter mit zwei dreipoligen TRS-Steckern enthalten. (Die braucht man übrigens auch für das externe Audio-Interface.) Man kann sich also das Audio-Interface sparen.

Der Unterschied zum externen Audio-Interface:

  • Man hört sich selbst nicht sprechen im Kopfhörer.
  • Es rauscht ein wenig. Aber das kann je nach PC oder Tablet unterschiedlich sein sein.
  • Und die Sprach-Qualität hängt jetzt hauptsächlich vom Analog-Digital-Wandler im jeweiligen Gerät ab, wie man hier im Unterschied zum Betrieb am externen Audio-Interface hören kann.

Hier das gleiche BoomPro Mikrofon, nur unter Umgehung des externen Audio-Interfaces direkt an die Headset-Buchse des Laptops (Thinkpad T460s) angeschlossen.

Hörprobe V-Moda BoomPro über Headset-Eingang am Thinkpad T460s

Headset-Mikrofon des Beyerdynamic Custom Game

Das Beyerdynamic Headset “Custom Game” mit abnehmbarem Kabel liefert ja schon ein Mikrofon mit gleichem Aufbau mit. Etwas voluminöser und mit 50 g etwas schwerer als das BoomPro, wird es auch in die 3,5 mm Buchse an der linken Hörmuschel gesteckt. Der dicker gummierte Stecker sorgt mit einem Schlitz für die Ausrichtung des Mikrofonarmes nach vorn.

Beyerdynamic Headset Custom Game mit ausgestecktem Mikrofon

Ein auffallender Unterschied sind die Blasgeräusche beim Atmen.

Man hört die Blasgeräusche deutlich. Und wenn ich das Mikrofonkabel bewege, dann hört man das ebenfalls.

Auch dies ist ein Kondensator-Mikrofon, aber mit Nierencharakteristik. Es braucht ebenfalls die Tonader-Speisung um die 5 Volt, die bei PC, Handys und Tablets an der Headset- oder Mikrofonbuchse gleich mitgeliefert wird.

An externen Audio-Interfaces muss die 48 Volt Phantomspeisung mit einem Adapter auf die Kleinspannung umgesetzt werden. Das Hörbeispiel ist wieder am externen Audio-Interface Steinberg UR22 entstanden:

Hörprobe: Headset Mikrofon des Beyerdynamic Custom Game

In-Ear-Headset Battle Buds von Turtle Beach

Battle Buds von Turtle Beach mit Ansteck-Mikrofon

Die Qualität der oben beschriebenen Mikrofone erreicht das von den Battle Buds zwar nicht, aber für Video-Konferenzen mit den üblichen Meeting-Systemen scheint es gut geeignet sein. Das leichte Rauschen dürfte dort nicht hörbar sein. Es hat den großen Vorteil sehr klein zu sein. Damit kann man es überall hin mitnehmen. Ja das ist wirklich ein 3 Gramm leichtes Ansteck-Mikrofon für den linken Ohrstöpsel. Die Battle Buds, einschließlich Ansteck-Mikrofon kosten 30 €.

Das Hörbeispiel ist aus Vergleichsgründen auch am Audio-Interface entstanden.

Hörprobe: Battle Buds von Turtle Beach am Audio-Interface

Fazit

Das BoomPro ist mein Mikrofon-Favorit für gute Audio-Qualität. Ich betreibe es jetzt am Beyerdynamic Kopfhörer Custom Game, den es gerade noch als Auslaufmodell für 145 € zu kaufen gibt. Aber jeder andere Kopfhörer mit abnehmbarem Kabel und 3,5 mm TRS-Buchse tut es auch. Und das sich der Einsatz eines externen Audio-Interfaces wirklich lohnt, hatte ich mir so deutlich nicht vorgestellt.

Einen Hörvergleich von derzeit 16 möglichen Mikrofonen unterschiedlicher Preislagen findest Du hier.


Ergänzung am 4.1.2021: Leonid Lezner gibt hier Empfehlungen für Mikrofone verschiedener Preisklassen zum Podcasten.

Ergänzung am 20.1.2021: Auf der Suche nach günstigen Kopfhörern mit 3,5 mm Klinken-Buchse habe ich hier die ersten 4 getestet. Weitere werden folgen.