Bosch am Donnerstag

Trends und Ideen für Lernen in der Zukunft

Für Tag 4 in der cl2025 Woche mit Bosch haben wir leider keinen Inhalt für Euch! Am Montag, Dienstag und Mittwoch haben wir Euch davon erzählt, was wir aktuell tun und in welche Richtungen wir denken. Und jetzt sind Eure Kreativität und Ideen gefragt!

Leitfragen zur Diskussion

Beantwortet die zwei Leitfragen unten in den Kommentaren. Markiert Eure Antworten auf Frage 1 und 2 bitte mit A1 und A2, damit wir uns in der Auswertung etwas leichter tun.


FRAGE 1: Was sind die Trendthemen, die auch innovativ sind? Ab wann werden diese Themen operativ relevant? Gebt bei Euren Antworten unten Jahreszahlen in Klammern an.


FRAGE 2: Welche technischen Innovationen liefern einen echten Mehrwert in der betrieblichen Weiterbildung?


 

  • A1: in der Praxis sehe ich gerade folgende Trendthemen operativ in der Umsetzung: Barcamps, Massive Open Online Courses, Blended Learning Szenarien, Flipped Classroom (weil zunehmend Video-Plattform vorhanden sind), Lern-Communities (weil Enterprise Social Networks vorhanden sind). An Bedeutung gewinnen auch Ansätze, die nicht die Vermittlung bestehenden Wissens, sondern die Generierung neuen Wissens im Fokus haben (z.B. Design Thinking, Hackathon). Im Bereich der Lernorte scheinen sich in den nächsten Jahren neben Arbeitsplatz und Schulungsraum auch Coworking Spaces / Colearning Spaces / Kreativräume durchzusetzen. In 3-5 Jahren schätze ich, werden Chatbots und Personal Learning Assitants kommen. Außerdem sind erste Zeichen von Personal Dashboards zu sehen (z.B. MS Delve), die in Zukunft auch die Rolle von Lernassistenten spielen könnten. Niederschwellige Methoden wie Working Out Loud helfen sehr einfach, das “Hirn der Organisation” zu vernetzen und Silo-, Abteilungs-, Funktions- und Standortübergreifendes Lernen zu ermöglichen.

    A2: Breite Verfügbarkeit von Videokonferenz-Systemen (z.B. Skype for Business) z.B. für Webinare, Q&A-Session, Meetup-Livestreams; Wikis für die gemeinsame Erstellung von Lerncontent, OneNote als Persönliches Wiki aber auch als Kurs-Notizbuch, Enterprise Social Networks zur Vernetzung und zum Lernen voneinander.

  • martinlindner

    [A2] Außer dem ESN-Lernen, das ja schon vielfach besprochen ist: Ich glaube, dass die Bedeutung von #Smartphones bei weitem unterschätzt wird (auch von mir). Das ist nicht einfach ein schmalerer Kanal für andere Web-Angebote, sondern ein eigenständiger, persönlicher und zentraler Raum, so etwas wie die “Schaltzentrale”, mit der die Leute ihre Aufmerksamkeitsflows managen. Wenn wir Learning Environments radikal vom Smartphone als zentraler Schaltstelle her denken, ändert sich vermutlich sehr viel.

    [A1] Das bezieht sich ja wohl auf technische Innovationen, die demnächst kommen. Da fällt mir wenig ein. Am ehesten das, was @JoachimNiemeier anderswo in dieser Woche skizziert hat: Wenn Videos quasi auf Knopfdruck transkribiert (das geht schon), getaggt, mit Sprungmarken versehen werden können, werden das vollwertige Texte, die man zeitsparend und gezielt “nachschlagen” und verlinken kann. Das könnte sehr viel verändern, gerade auch bei Leuten, die nicht geborene Schriftkultur-Sozialisierte sind. (Ich behaupte oft, dass sich eigentlich immer nur 20% wirklich in Schrift-Umgebungen bewegen wie ein Fisch im Wasser, und zwar fast unabhängig vom Bildungsgrad — auch Manager sind z.B. sehr oft mündliche Typen.)

    • Ja, das Handy als zentrale Plattform wird wirlklich noch unterschätzt. Das passt zum Cogneon KnowledgeJam zu Office 365 gestern. Dort hat Ragnar Heil von Microsoft darüber gewsprochen, dass Microsoft die “Frontline-Worker”, also alle die nicht im Büro arbeiten, von der Kassiererin bis zum Instandhalter, als Zielgruppe sieht. Weil die keinen PC haben, aber fast alle ein Smartphone, werden sie mit Produkten darüber adressiert. Für Microsoft ein großer Markt, und für uns ein deutliches Signal, wie auch wir diese Zielgruppe erreichen können. “Mobil First” sollte auch unsere Strategie sein.

  • Oliver Ewinger

    [A2] Web-/ Videokonferenzentools:
    Mein Eindruck ist das diese Web-/
    Videokonferenzentools in den Firmen zwar für die Kommunikation in
    Projekten mit internen sowie externen Partnern genutzt wird, aber das das Potential im betrieblichen Bereich für interne Weiterbildung noch lange nicht ausgeschöpft ist. Deshalb hier nochmals als Beitrag/ zur Diskussion eingebracht.

    Einen echten Mehrwert für die betriebliche Weiterbildung, so finde ich, sind Web-/ Videokonferenzentools. Mit Skype for Business, WebEx oder Adobe Connect … lassen sich Webinare (syncron) gestalten und durchführen.
    Vieler dieser UCC Tools haben die Funktion dass man die Teilnehmer in Gruppen aufteilen kann und diesen Gruppen dann einen virtuellen “Klassenraum” mit Whiteboard und Gruppenchat zuteilt, bekommt das Webinar dann echten Workshop Charakter bei dem man dann zusammen Gruppenarbeiten machen kann und z.B. Situationaufgaben zusammen löst.
    Auch im Blended Learning Verfahren als Ergänzung/ Vertiefung zu Präsenzseminaren.

    WebEx habe ich zum Beispiel auch schon für eine private Fortbildung genutzt um mit Lernpartner gemeinasm in einem Lerntandem/ Lerntridem zu lernen / austauschen. (kleiner Tipp am Rande: für bis zu 3 Personen ist WebEx im privaten Bereich kostenlos und lässt sich toll zum Lernen mit Lernpartner über das Web nutzen).

    Da diese Tools bereits in vielen Firmen jedem PC-Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden, können Sie auch adhoc Lernsituationen bilden.
    Beispiel: Jemand ruft mich an und hat eine Frage zu einer Excelfunktion. Über WebEx/ Skype for Business öffne ich eine “Webkonferenz” und der Fragende kann seinen Bildschirm teilen/ (oder die Rechte für die Bildschirmsteuerung übertragen) und mir das Probleme / die Frage erläutern. So lässt sich das Problem, die Frage nicht nur auditiv, sondern auch visuell erfassen.

    Allerdings muss man bei der Durchführung von digitalen Seminaren/ Workshops mit diesen tollen Tools auch den didaktischen Aufbau, didaktische Prinzipien, sowie die Methodik berücksichtigen.

    Nur weil ein Seminar/ Workshop digital, mittels moderner Web-Tools durchgeführt wird, ist die Weiterbildung nicht automatisch besser, effektiver.

    • Carsten Wittmer

      Insbesondere für die Vernetzung von Lernenden halte ich diese Tools für sehr gut. Wie von Dir bereits genannt bei Lerntandems, das mal Eben Drüberschauen bei Excel & Co., aber auch WOL bieten sie einen echten Mehrwert. Wahrscheinlich noch viel mehr als bei der Anwendung in digitalen Frontalseminaren.

    • Den Trend, Webkonferenz-Tools, welche man sowieso am Arbeitsplatz für die moderne Zusammenarbeit und Kollaboration nutzt, als Infrastruktur für die betriebliche Weiterbildung einzusetzen, ist ganz klar zu erkennen. Das ist zwar keine gute Botschaft für die Anbieter von virtuellen Klassenräumen, aber es gibt dazu eine Reihe von Argumenten. In einer Benchmarking-Studie wurden als Argumente genannt:

      – die Mitarbeitenden kennen das Tool aus dem Arbeitsprozess, dadurch gibt es ein sehr viel grösseres Potential zu Nutzung
      – was die Features von Webkonferenz-Tools angeht, so haben diese in den letzten Jahren einen mächtigen Sprung gemacht. Sie stammen von großen Anbietern, die die entsprechende Innovationskraft haben (Featurevielfalt, Skalierbakeit, Cloud- bzw. Hybridlösung)
      – Webkonferenz-Tools sind in der Regel flächendeckend als Infrastruktur bereits vorhanden und mit anderen IT- und Telekommunikationslösungen des Unternehmens integriert (z.B. telefonische Einwahl, Dokumentenmanagement, Kalendermangement, Office- und Videoportal-Integration)
      – Virtuelle Klassenräume haben teilweise Features, welche aus didaktischer Sicht einen Mehrwert bieten sollen (z.B. “Handheben”, “in Gruppenräume gehen”, “im Raum sitzen”)

      Dedizierte virtuelle Klassenräume haben vielleicht noch eine Zukunft als Infrastruktur für Akademien u.ä.

      • Uwe Spangler

        Volle Zustimmung hier- Skype for Business hat extrem aufgeholt- Wir benutzen Adobe Connect nur noch da man mehr “vorbereiten kann” und dann nur noch in den Raum reingeht, mit Lobby Video, Musik und Polls die ich immer wieder verwenden kann und natürlich die Reporting Funktion. INteressanterweise haben wir die letzten Jahre eine Dropout Rate von “exakt” Pareto festgestellt- also 20% aller Angemeldeten erscheinen meistens nicht, da das Fernbleiben viel niedrigschwelliger ist als bei anderen Veranstaltungen- da trau ich mich sogar jetzt Prognosen zu machen ;-))

  • [A2] Im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz (KI) experimentieren wir gerade mit der maschinellen Videoanalyse. Spannende Features sind:

    – Informationen werden aus den Videos extrahiert, der gesprochene Text und die präsentierten Inhalte werden per Spracherkennung und OCR transkribiert
    – es wird automatisch erkannt, welche Personen in einer Szene zu sehen sind
    – Schlüsselwörter werden automatisch analysiert, den Videoinhalten zugeordnet und als Sprungmarken für die Videos genutzt
    – eine Sentiment-Analyse nutzt die Emotionen der Sprecher, um die Einstellung einer Personen zum Thema zu identifizieren
    – Metadaten ermöglichen anhand von Empfehlungen und der Erkennung von gesprochenen Wörtern, Gesichtern, Zeichen und Emotionen eine Interaktion mit dem Videomaterial
    – mit einem Editor lassen sich Inhalte sehr einfach neu zusammenstellen (“re-mixen”)
    – eine große Menge an Videos kann nach Stichwörtern und Personen durchsucht bzw. gefiltert werden (eine Art “Google für Videos”)

    Den Zeitraum bis zur operativen Relevanz des Themas schätze ich mal mit ein bis zwei Jahren ein, es gibt dazu bereits technologische Previews von Microsoft und Google.

    https://uploads.disquscdn.com/images/2b140624fe8740342e0255c0c9e764076c92e6f4211c46d2e67d0f6de4d7139d.jpg

    • Falls Interesse daran besteht, hier kann man sich das Ergebnis einer maschinellen Videoanalyse mal selbst anschauen und damit spielen:

      https://www.videoindexer.ai/media/c4c1ad4c9a/?t=1899.16

      Bitte auch mal das ausgewählte Szenario (Digitalisierung der Arbeitswelt in der Produktion) anschauen, schon etwas gruselig. Ich fürchte, dass bis “The Circle” ins Kino kommt, die Realität an manchen Stellen schon weiter ist.

      • simonr.

        super spannend, danke für das Beispiel.

    • Uwe Spangler

      Ja das ist jetzt erst eranbar was alles machbar ist. Hab erst die Tage Windows Stream gesehen, dass auch die Transkribierungsfunktinalität hat- je nach Aussprache noch ein wenig “herausfordernd”- aber das ganze lernt ja selber- Spannendes Zeug- und The Circle ist eh schon hier ;-)) Hab vor kurzem gesehen, dass man schon aus bestehenden Filmen wenn man genügend Material hat schon seine eigenen Filme bauen kann (find den Link gerade nicht)

    • Michael gibt im SharePoint Podcast einen Einblick, wie Video-Transkription in Office 365 und Microsoft Streams funktioniert (über Azure Cognitive Services): http://sharepointpodcast.de/2017/07/03/sppd371-powerapps-microsoft-stream-office365-sharepoint-and-more/