MOOC-king und L&D – Hat das eine Zukunft?

Als wichtiges Lernziel wurde von vielen Teilnehmenden am #cl2025-MOOC genannt, selber mal an einem MOOC teilzunehmen und dadurch Praxiserfahrungen sammeln. Dahinter steckt möglicherweise die Frage, ob das MOOC-Format eine passende Lernumgebung für selbstgesteuerte und kooperative Lernformen in der betriebliche Weiterbildung sein kann. Im Hochschulbereich gibt es dazu bereits vielfältige Erfahrungen, dort haben MOOCs zumindest neue Impulse für die Lernlandschaft gesetzt. Die Diskussion ist auch im Hochschulbereich noch lange nicht abgeschlossen, dazu ist das Thema kompliziert und zugleich vielfältig.

MOOCs goes Corporate! Aber was passiert tatsächlich in den Unternehmen? Da gab es zunächst einmal eine Diskussion darum, ob im Unternehmenskontext noch von einem MOOC gesprochen werden kann, oder ob man nicht besser SPOC (Small Private Open or Online Course) oder COOC (Corporate Open Online Course) dazu sagen sollte (siehe beispielsweise “Unternehmen lernen online – Coporate Learning im Umbruch“). Für die Praxis war das zu kompliziert, als Begriff scheint sich “Corporate MOOC” durchgesetzt zu haben, und wenn man nachfragt was das ist, dann hört man häufig , “das ist ein Online-Kurs”.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen beim MOOC-king? Damit befasst man sich beispielsweise im EU-Projekt BizMOOC, das zum Ziel hat, das Potential von MOOCs für die geschäftliche Welt zu erkunden. Das im Projekt entstandenen MOOC-Book (MOOC’s for the World of Business) hat auf 398-Seiten viele Herausforderungen aufbereitet.

Passt selbstbestimmtes Lernen mit den Strukturen und Prozessen der betrieblichen Weiterbildung überhaupt zusammen? Scheinbar nicht ganz, zumindest scheint es eine Herausforderung zu sein, den richtigen Weg zu finden. Es geht bei Corporate MOOCs nicht mehr darum, standardisierte Inhalte konsistent an die Mitarbeiter “auszurollen”. Vielmehr sollte Inspiration, Erfahrungsaustausch, Kollaboration und das Teilen von Wissen im Mittelpunkt stehen. Kann man dazu überhaupt qualitätsgesicherte Inhalte einkaufen? Im Beitrag “The Enigma of Social Learning” beschreibt Helen Blunden anschaulich weitere Irrwege:

  • Ein Online-Diskussionsforum am Ende eines bestehenden E-Learning-Kurses hinzufügen
  • Eine Yammer-Gruppe <oder ein anderes ESN ihrer Wahl hier einfügen> für die Nachbereitung von Kursen, in denen es wenig Interaktion, Engagement oder Aktivität bei den Teilnehmenden gab, bereitzustellen
  • Eine Frage wie “Diskutiere dieses Konzept mit deinen Kollegen in der <ein ESN ihrer Wahl hier einfügen>-Gruppe” am Ende eines E-Learning-Kurses in den Raum werfen
  • Die Mitarbeiter auffordern, im neuen <hier ein neu implementiertes Social LMS ihrer Wahl einfügen> durch das Klicken auf “Like” oder “Reply” oder “Follows” zu interagieren, um bessere Daten zu Aktivitäten und Engagement zu erhalten

Zu den Veränderungen, welche im Bereich des informellen, aber auch des formellen Lernens, auf die betriebliche Weiterbildung beim Einsatz von Social Learning zukommen findet man viele fachliche Hinweise im Beitrag “Enterprise Social Networks und Lernen – Potentiale für die betriebliche Bildung?“.

Der erste Schritt ist aber immer, Begeisterung für das MOOC-Format zu schaffen. Und das wird im Unternehmensumfeld wahrscheinlich am besten über das eigene Erleben gehen. Das Feedback von Michael Schmidt, Leiter Global Learning & Development von Ottobock zeigt das deutlich:

Ich mache mich jetzt auf die Suche nach “Handwerkszeug” für die Implementierung und Durchführung von Corporate MOOCs. Falls jemand dazu Hinweise hat, gerne die Kommentarmöglichkeit nutzen.

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