Werde “Lead User” für Dein berufliches Umfeld – #MeinZiel22

Lernen ist die Voraussetzung für jede Innovation. Auch die eigene Weiterentwicklung ist eine Innovation. Das Innovationen ganz anders starten als allgemein angenommen, untersucht Eric von Hippel seit einigen Jahren. Von “Lead Usern” gehen die meisten Innovationen aus – und nicht von Unternehmen!

Zwei Gedanken drängen sich mir dazu für uns Learning Professionals auf:

Die Innovation im eigenen Umfeld muss ja keine Erst-Innovation sein: Wenn das andere schon umgesetzt haben, braucht es jemanden, der es in der eigenen Organisation realisiert. Sei Du der “Lead User” in Deinem beruflichen Umfeld! Das fällt sogar leichter, wenn andere damit schon Erfahrung gesammelt haben.

Wenn doch so viele Menschen Innovatoren sind – Eric von Hippel hat für England 6,2% der Bevölkerung, gleich 2,9 Millionen Menschen ausgemacht – dann müsste es unser Job sein, gerade diese Lernenden in ihrem kreativen Tun zu unterstützen. Das hat dann wenig mit repetitivem Lernen zu tun. Dazu vielleicht in einem anderen Blogpost mehr.

Beschäftigen wir uns zunächst ein wenig mit Eric von Hippels Aussagen:

Lead User – ein Begriff geprägt von Eric von Hippel

Schon 1996 hat Eric von Hippel mit diesem Begriff darauf hingewiesen, dass viele der großen Innovationen nicht aus den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen stammen, sondern von einzelnen Menschen, die Lösungen für ihren eigenen Bedarf ersannen und umsetzten. Aber immer wenn er in Unternehmen nach dem Ursprung ihrer Innovationen fragte, erklärten sie stolz, dass sei von ihnen. Erst bei genauerem Forschen nach den Urprüngen, ergab sich bei 77% der neuen Produkte ein Vorläufer, der von Anwendern erdacht und umgesetzt wurde. Meist etwa 5 bis 7 Jahre bevor die Unternehmen begannen, sich mit dieser Produktidee zu beschäftigen.

Wenn doch so viel Innovationen außerhalb von Unternehmen starten, ist es verwunderlich, dass diese Phase in Unternehmen gar nicht wahrgenommen wird. Schließlich profitieren Unternehmen sehr stark von diesen Anwender-Entwicklungen, wie er in seinen Studien nachweist. Innovative Anwender werden von ganz anderen Motiven geleitet als Unternehmen. Anwendern geht es um das Lösen eines eigenen Problems (55%), um die Lust am Entwickeln von Neuem (21%), um anderen zu helfen (12%) und auch ums Lernen (7%). Nur 2% der Anwender machen das, um damit Geld zu verdienen.

Unternehmen haben ausschließlich die Motivation, mit Produktinnovationen Geld zu verdienen. Deshalb steigen sie erst dann in die Entwicklung ein, wenn sie einen genügend großen Markt erkennen. Und der wird oft erst sichtbar, wenn es sich bei anderen Anwendern rumgesprochen hat, dass es eine Lösung gibt, die ein anderer Anwender erfolgreich entwickelt hat. Das kann sich auch rumsprechen, weil innovative Anwender ihre Idee meist gern stolz veröffentlichen. Im besten Falle führt das zu Nachahmern, die beim Nachbauen gleich Verbesserungen einführen und diese ebenfalls bekanntmachen. Es geht ihnen ja nicht ums Geld verdienen, nur um eine gute Lösung.

Wer tiefer einsteigen will, dem sei Eric Hippel in diesem 55 Minuten-Video zu Open und User Innovation aus 2011 empfohlen – oder auch sein Buch Democratizing Innovation, das unter Creative Commons Lizenz downloadbar ist.

Open Innovation = Open Learning

Eric von Hippel zeigt, dass solche öffentlich geteilten Entwicklungen schneller gehen und bessere Ergebnisse zeigen, als Entwicklungen in geschlossenen Entwicklungsabteilungen. Die Anwender in der Community sind vielfältiger und damit perspektivenreicher als von einem Unternehmen ausgesuchte Entwicklungsingenieure. Und: Anwender sind Praktiker, die ihre Innovationen gleich in der Realität testen.

Wenn die Anwender sich über ihre Gedanken und Versuche verständigen, dann wird daraus eine gemeinschaftliche Entwicklung. Im Idealfall muss jeder nur noch einen Teil zum Ganzen beitragen, hat also nicht die Last der großen Lösung allein zu tragen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Open Source-Softwareentwicklung. So ist z.B. Linux entstanden. Und mit dem Entwickeln neuer Lösungen geschieht immer auch eine Entwicklung von eigener Kompetenz. Innovatoren lernen – immer!

“Open” als Grundhaltung ist ein Beschleuniger für die eigene Entwicklung, also fürs Lernen. Das gilt für jede Innovation – auch für die Innovation eigener Kompetenzen.

Mach Dein Entwicklungsziel öffentlich – und berichte über Deine Lernreise. In der großen Corporate Learning Community finden sich sicher Andere, die ein ähnliches Ziel anstreben. Auch, wenn ihr andere Lernwege geht, wird der Austausch darüber anregend und unterstützend sein. Voraussetzung ist nur: Sprich immer wieder öffentlich über Deine Lernreise und informiere die Community darüber.

Orientierung an Extrem-Anwendern

Wenn Du dein Ziel kennst, dann sieh Dich um nach Anwendern, die einen ähnlichen Weg schon mal gegangen sind. Am meisten kannst Du von denen lernen, die sich auf extreme Anforderungen einstellen mussten. Das sind für uns übrigens oft keine Learning Professionals! Auch fürs Corporate Learning gilt: Die großen Innovationen beim Lernen entstehen fast nie in L&D-Abteilungen, sondern meist durch Führungskräfte oder Mitarbeiter ganz anderer Funktions-Bereiche. Nimm Kontakt auf mit denen, die aus Deiner Ziel-Perspektive großartige neue Lösungen geschaffen haben. Du kannst beim Vernetzen nur gewinnen!

Dein Mitmachen bei #MeinZiel22:

Viel Erfolg bei Deiner persönlichen Kompetenz-Innovation!