Meine Audio-Ausstattung für Video-Meetings und Online-Podcasts

Vor drei Monaten habe ich begonnen, mein Audio-Equipment zu optimieren. Vom Headset über verschiedene Tischmikrofone bis wieder zum Headset hat mich meine Reise geführt. Meine Learnings will ich hier kurz zusammenfassen.

Die Hauptinformation in Video-Meetings übertragen wir über die Sprache. Und Online-Meetings sind immer dann anstrengend, wenn man Sprechende nur mit Mühe verstehen kann. Von uns Learning Professionals erwartet man ganz selbstverständlich den guten Ton, und natürlich sollten wir auch mit gutem Beispiel vorangehen.

Vom USB-Headset zum Tischmikrofon

Mit einem USB-Headset Sennheiser PC 36 begannen meine Online-Meeting-Erfahrungen. Das war für mich bequem, nur wie mich die anderen hören, fiel mir erst später auf. Als ich mich auf Meeting-Aufzeichnungen hörte, schob ich die geringe Tonqualität auf die noch ungenügende Internet-Übertragung.

Weil es ja vielleicht doch an mir liegt, kam dann die Phase des professionellen Tisch-Mikrofons Rode NT5 am Audio-Interface. Einen Kopfhörer hatte ich immer auf, schon um störende Echos für die anderen zu vermeiden. Mit dem Audio-Interface Yamaha Steinberg UR12 oder UR 22 hatte ich zudem die Möglichkeit, das eigene Audio-Signal im Kopfhörer mitzuhören, ein Vorteil den ich bis heute schätze.

Aber ein Tischmikrofon braucht Nähe und Mikrofon-Disziplin. Der Sprechabstand sollte zwischen 5 und 10 cm liegen. Ohne einen langen, an meinem Schreibtisch immer störenden Mikrofonarm passt keine Tastatur mehr vor mich hin. Also schiebt man das Mikrofon ein wenig weiter weg. Dann aber haben die von den Wänden reflektierten Schallwellen einen hörbaren Anteil im Vergleich zum Direktschall von mir. Mein Büro ist halt kein Rundfunk-Studio, bei mir hallt es dann. Das ist übrigens bei vielen anderen mit Stand-Mikrofonen auch deutlich zu hören.

Und jede Kopfbewegung äußert sich als Lautstärke-Schwankung. Nur Rundfunk-Sprecher haben diese Mikrofon-Diziplin und bewegen den Kopf nicht beim Sprechen.

Vom Edel-Headset zum günstigsten

Also sprach alles wieder für ein Headset. Und es gab einige ganz wenige, die auch in Meeting-Systemen wie ZOOM oder Teams einen richtig guten Klang sendeten. Das waren Nutzer edler Headsets am Audio-Interface. Ich begann ebenfalls mit dem fürs Podcasten angeschafften Beyerdynamic DT297 in Online-Meetings aufzutauchen. Ja, mein Ton wurde deutlich besser, wie die Aufzeichnungen und die Kommentare zeigten. Aber der DT297 ist ein Over-Ear-Headset, also sehr groß und warm am Ohr. Das sieht im Video nicht gut aus und ist im Sommer ganz schön anstrengend.

Links vier Termichy-Kopfhörer und vier V-Moda BoomPro Mikrofone, rechts der große Beyerdynamic DT297

Dann kam der Tipp für ein günstiges aber gutes Ansteck-Mikrofon für Kopfhörer mit abnehmbarem Kabel von Ralf Stockmann. Das V-Moda BoomPro braucht nur einen beliebigen Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenbuchse für das abnehmbare Kopfhörerkabel. Das wird dann ersetzt durch das V-Moda BoomPro, dass das Mikrofon einfach einschleift in das neue Kabel. Das löste bei mir Versuche mit verschiedenen Kopfhörern aus, die ich hier beschrieben habe.

Am Schreibtisch lagen dann die verschiedenen Kopfhörer, die ich immer wieder mal wechselte, um sie mit dem V-Moda BoomPro zu verwenden. Zunächst war mein Favorit die Kombination mit dem “Marschall Major 3” Kopfhörer. Zunehmend öfter griff ich aber zum günstigen Termichy-Kopfhörer für 20 €, um ihn mit dem V-Moda-BoomPro zu nutzen. Der trägt sich am besten, ist leicht und am wenigsten auftragend im Videobild. Heute liegt nur noch der Termichy mit dem V-Moda BoomPro zusammengesteckt und permanent mit dem Audio-Interface verbunden, bei mir am Schreibtisch.

Nur noch mit Audio-Interface

USB Audio Interface Steinberg UR22 mit permanent verbundenem Headset (Termichy + V-Moda BoomPro)

Das Headset-Kabel des V-Moda-BoomPro läßt sich auch direkt in der Headset-Buchse des PC, Tablets oder am Handy betreiben. Es besitzt ja den typischen vierpoligen Headset-TRRS-Stecker. Man muss sich nur vergewissern, wie gut die eingebaute Soundkarte am eigenen PC ist. Die verändert das Audio-Signal je nach Gerät ganz erheblich, wie in diesen drei Hörbeispielen immer mit dem gleichen V-Moda BoomPro Mikrofon deutlich zu hören ist (am besten mit Kopfhörer):

V-Moda BoomPro Mikrofon über das Audio Interface Steinberg UR12 am PC

V-Moda BoomPro Mikrofon driekt am Headseteingang des Thinkpad T 460s

V-Moda BoomPro Mikrofon direkt am Headseteingang des Thinkpad X1

Wenn Dein PC eine gute Soundkarte hat, dann kannst Du Dir das externe Audio-Interface sparen. Ohne externes Audio-Interface kannst du allerdings auch nicht mithören, was du sendest. Du hörst dann z.B. auch die Blas-oder Plop-Geräusche nicht, die durch eine ungünstige Mikrofon-Position aufgefangen werden. Ich will immer hören, was ich sende. Schon deshalb brauche ich das Audio-Interface.

Meine Audio-Austattung für Online-Meetings und Podcasts

Audio Interface

Das USB Audio-Interface Steinberg UR12 kostet etwa 100 €. Das Steinberg UR12 wird über die USB-Schnittstelle mit Strom versorgt, und schaltet sich bei mir automatisch mit dem PC ein. (Im Bild oben ist ds UR22 mit zwei Eingängen zu sehen. Das UR12 mit einem Eingang reicht aus.)

Ergänzung 16.08.2021:

2 gleichwertige USB-Audio-Interfaces für je etwa 35 € habe ich inzwischen ebenfalls testen können: Das Behringer U-Phoria UMC22 und das Behringer U-Phoria UM2 verrichten ihren Dienst genauso gut, kosten aber deutlich weniger. Der einzige Unterschied liegt wohl in verschiedenen Mikrofon-Verstärkern. Ich kann aber keinen Qualitätsunterschied zwischen den beiden raushören. Das geht nicht nur mir so, wie Du diesem Video entnehmen kannst.

XLR-Klinke-Adapter

Das Audio-Interface ist für den Betrieb mit XLR-Mikrofonen gebaut, und kann die auch mit 48 V Phantomspeisung versorgen. Das V-Moda-BoomPro-Mikrofon braucht aber eine 3,5 mm Klinkenbuchse und eine Tonaderspeisung zwiwchen 1 und 10 Volt. Diese Übersetzung schafft dieser VXLR+ Adapter von Rode für etwa 25 €. Das + steht für die 5 Volt Tonaderspeisung. Ohne das + ist es nur ein mechanischer Adapter.

Kopfhörer-Klinken-Adapter 6,3 auf 3,5 mm

An meinem Audio-Interface gibt es für den Kopfhörer nur eine 6,3 mm Klinkenbuchse. Um meinen 3,5 mm Kopfhörer-Stecker anzuschließen, braucht es noch einen Adapter-Stecker, vorn 6,3 mm Stereo-Klinke und hinten eine 3,5 mm Stereo-Buchse. So ein Adapter wird mit vielen Kopfhörern mitgeliefert. Wenn nicht, dann musst Du Dir den besorgen.

Mikrofon

Das V-Moda BoomPro als Kabelersatz für Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenbuchse an der Hörmuschel für etwa 30 €. Der Y-Adapter für den Betrieb am Audio-Interface wird mitgeliefert.

Termichy-Kopfhörer mit V-Moda BoomPro Mikrofon

Kopfhörer mit 3,5 mm Buchse fürs abnehmbare Kabel

Mein Favorit jetzt: Der als Kinderkopfhörer verkaufte aber trotzdem professionelle Termichy für 20 €. Den gibt es in vielen Farben. In schwarz wirkt er auf jeden Fall professionell. (Die vielen weiteren Funktionen, wie Bluetooth, MP3-Player, … nutze ich gar nicht.)

Fazit:

Obwohl das Headset für insgesamt 50 € zusammenstellbar ist, lohnt es sich, die 125 € für das Audio-Interface plus Adapter zusätzlich auszugeben. Es geht auch ohne – aber wohl oft mit eingeschränkter Sprachqualität – und ohne das Mithören des eigenen Sendesignals.

Ein Tischmikrofon ist nur sinnvoll, wenn du den Abstand zum Mund mit 5 bis 10 cm einhalten willst, und den Kopf nicht zur Seite bewegst.

Laustsprecher sind bequem aber tabu wenn es um gute Audio-Qualität für Deine Zuhörer geht. Wenn die Tonqualität gut sein soll, müssen Algorithmen für Noise- und Echo-Cancelling weitgehend abgeschaltet sein. Dann erzeugst du mit Lautsprechern Echos für die anderen, die du mit Kopfhörern immer vermeidest.

Vermeide in jedem Fall Bluetooth-Headsets, und alle Geräusch- und Echo-unterdrückenden Büro-Headsets, wenn Du in einer ruhigen Umgebung bist – auch wenn die teuer waren. Deren Algorithmen schränken immer auch Deine Sprache ein. Nur in lauter Umgebung macht das Sinn. Bluetooth-Verbindungen erzeugen zusätzliche störende Artefakte.

Und falls du schon einen Kopfhörer mit 3,5 mm Klinkenanschluss an der Ohrmuschel hast, kannst Du auch damit Dein Headset mit dem V-Moda-BoomPro zusammenbauen.
Solltest Du einen Kofhörer mit 2,5 mm Klinkenbuchse an der Ohrmuschel haben, gibt es einen nicht ganz so wertig wirkenden Ersatz für das V-Moda BoomPro mit auch gutem Klang, das Kabel-Boom-Mikrofon für 24 €.

Ergänzende Infos: