Gerald Hüther mit weitem Blick aufs Lernen

Volkmar Langer hat mit seinen Interview-Fragen von Gerald Hüther interessante und umfassende Antworten zur Entwicklung, zum Lernen von Menschen erhalten. Seine Perspektive ist noch immer ungewöhnlich. Eigentlich kann man ihm nur zustimmen.

Das Video besteht aus 4 verdaulichen Abschnitten. Die für mich wesentlichen Aussagen habe ich jeweils notiert.

Abschnitt 1:

  • Dein Ich besteht aus den Lösungen, die du in Deinem Leben gefunden hast
  • Alleine geht’s nicht, gegen die anderen geht’s nicht, ohne die anderen geht’s auch nicht
  • Das Geheimnis von Change ist immer der Anfang, nicht die Begleitung
  • Hierarchische Organisationen sind keine Gemeinschaften
  • Alles was lebendig ist lernt, vom Wasserfloh bis zur Pflanze
  • Wer Lust am Lernen verloren hat, hat einen Teil seiner Lebensfreude verloren
  • Die Eltern halten das Schulsystem aufrecht. Je weiter sie im akademischen System gekommen sind, umso richtiger halten sie das Schulsystem.

Abschnitt 2:

  • Wenn Menschen zum Objekt gemacht werden, dann können sie sich nicht entfalten
  • Entfaltung ist der natürliche Lebensprozess
  • Wir verhindern Entfaltung
  • Würde ist eine Bezeichnung für das Empfinden von Subjektivität
  • Würde kann ich nur mir selbst verleihen
  • In dem Moment, wo man das tut, was einem gut tut, ist man kein Bedürftiger mehr
  • Eine Führungskraft, die von ihrem Mitarbeitern etwas haben will, ist ein Bedürftiger. Die müsste so viel haben, dass sie etwas verschenken kann. Das geht nur, wenn man respektvoll mit sich selbst umgeht.
  • Man ist immer Teil eines sozialen Systems. Den Einzelnen gibt es gar nicht.
  • Primaten haben sehr erfolgreich in „individualisierten Gemeinschaften“ gelebt. Da kommt es auf jeden Einzelnen an.
  • Seit 10.000 Jahren haben wir hierarchische Systeme etabliert. Die haben den Wettbewerb erzeugt, den es 90.000 Jahre zuvor vorher nicht gab.
  • Wenn eine Gemeinschaft ein gemeinsames Anliegen hat, dann führt das die Einzelnen. Die müssen es heute aber wieder lernen, sich selbst zu führen.

Abschnitt 3:

  • Ein Schüler, der von einer klassischen in eine freie Schule kommt, braucht für die Umstellung aufs freie Lernen genauso lange, wie er auf der klassischen Schule war
  • Jedes Lebewesen, jedes Unternehmen, jede Familie muss sich so organisieren, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird. Wenn sie so viel Energie verbrauchen, wie sie können, dann verheizen sie sich. Dann kann man sich eine furchtbare Beziehungskultur leisten.
  • Oft ist es die Vorstellung, die uns Angst macht, und gar nicht die Realität
  • Solange wir noch lebendig sind, gibt es immer Störungen. Unser Gehirn sucht immer nach Lösungen für diese Störungen.
  • Kohärenzwiederherstellungskompetenz: „Willkommen Problem, auch an dir werde ich wachsen!“
  • Wir alle sind mit einer unbändigen Freude am Lernen auf die Welt gekommen

Abschnitt 4:

  • Das selbstorganisierte Lernen in kleinen Gruppen scheint der einzige Weg
  • Menschen müssen Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen und das mit anderen teilen
  • KI: Maschinen , digitale Geräte, haben keine Bedürfnisse. Ohne Bedürfnis gibt es auch keine Ideen, ein Bedürfnis zu stillen.
  • Damit ist Kreativität unmöglich. Maschinen müssen immer programmiert werden, weil sie ja nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Es gibt keinen eigenen inneren Antrieb.
  • Wenn uns das Stillen von Bedürfnissen unterscheidet, dann sollten wir den Menschen (Kindern und Erwachsenen) genau das ermöglichen – und nicht verhindern.
  • Wenn Menschen ständig klagen, ist das eine Lösung, die ihnen bisher hilfreich erschien. Das gilt für alle Eigenschaften, die Menschen zeigen: Das sind immer Lösungen, die bei denen funktioniert haben.
  • Gerald Hüther am Ende:
    „Ich habe mich in die Vielfalt des Lebendigen verliebt. Ich halte es nicht aus, dass eine vorübergehend irregeleitete Spezies dabei ist, diese Vielfalt des Lebendigen auf diesem Planeten innerhalb kürzester Zeit zu ruinieren.“ 
    “ Ich möchte zumindest das Gefühl haben, dass ich alles was in meiner Kraft steht, und was in meinem Wirkungsbereich liegt, auch getan habe, um  es zu verändern.“
  • Spielerisch gelassen ans Leben gehen: Es muss ja nicht unbedingt gelingen, aber man kann ja mal versuchen, ob es geht!
  • Mit einem Bein, dem Standbein, den Lebensunterhalt sicherstellen. Das andere Bein ist das Spielbein, mit dem man ausprobieren kann, was noch alles geht. Da wird man automatisch seine Talente entdecken.
Einen herzlichen Dank an Volkmar Langer und Gerald Hüther fürs Teilen dieser Videos!