Dokumentieren ist Lernen

Schon aus Schule und Studium wissen wir: Was man selbst mitgeschrieben hat, sitzt besser im Gedächtnis. Erst recht, wenn man es noch einmal durcharbeitet. Das “Nur-Lesen” des Skriptes vom Nachbarn hat nicht annähernd den gleichen Effekt.

Heute gibt es viel mehr Formen der persönlichen Dokumentation, als das Mitschreiben. Und das Teilen mit Anderen ist ebenfalls sehr einfach geworden. Hier ein paar Beispiele für die Dokumentation von Veranstaltungen:

Twitter-Mitschrift

Ja, das geht wirklich. Wegen der begrenzten Zeichenzahl je Tweet (es sind jetzt immerhin 280), kann man meist nicht wörtlich mitschreiben. Man muss das Gehörte auf den Punkt bringen. Das erfordert Nachdenken “Was hat er oder sie eben gesagt?”. Dieses Nachdenken nennen wir sonst Lernen.

Tipp: Tweets als Mitschrift für sich selbst formulieren.
Nebeneffekt: Wenn das Andere interessiert, dann können sie von Deinen Mitschriften profitieren

Blog schreiben

Twittern nennt man auch Micro-Blogging. Wer mehr als 280 Zeichen mit seinen Gedanken füllen will, der schreibt einen ausführlicheren Blogpost. Das erfordert zumindest stichwortartige Notizen während der Veranstaltung, die danach noch einmal durchdacht und als nachvollziehbare Gedanken dargestellt werden. Und weil das im Blog öffentlich passiert, wird man mehr Zeit drauf verwenden, zu prüfen, ob alles wirklich stimmig und richtig ist. Man will sich ja nicht blamieren. Auch das alles ist wieder “Lernzeit”.

Tipp: Auch hier für sich selbst schreiben.
Gleicher Nebeneffekt: Wen’s interessiert, der kann es lesen.

 

Audio-Bloggen

Warum eigentlich immer schreiben und nicht sprechen? Und wenn man dabei sogar Vortragende oder andere Teilnehmende selbst zu Wort kommen läßt, transportiert man mit Originaltönen noch viel mehr Informationen, als es ein Text könnte. Als Aufnahmegerät genügt ein Smartphone, idealerweise mit separatem Mikrofon. Zu Hause wird man alles noch mal durchhören, die wichtigen Stellen zusammenschneiden und mit eine paar eigenen gesprochenen Anmerkungen ergänzen.
Das mit dieser erneuten Beschäftigung intensives Lernen erfolgt, scheint ziemlich klar.

Tipp: Interessante Leute auf Veranstaltungen einfach ansprechen. Die sind fast immer bereit, sich interviewen zu lassen.
In sozialen Medien / Blog teilen: Damit auch andere was davon haben.

Video-Bloggen

Zum guten Ton auch noch das Bild: Mit dem Smartphone lässt sich das umsetzen – auch hier idealerweise mit separatem beweglichem Mikrofon, was die Tonqualität deutlich erhöht. Auch mit fast jeder Foto-Kamera kann man das heute machen, wenn sie einen separaten Mikrofon-Eingang hat. Stativ nicht vergessen!
Auch hier wird man zu Hause “schneiden”, um auf das Wichtige zu konzentrieren. Das ist auch wieder so ein “Stoff-Durcharbeiten”, das gut furs Lernen taugt!

Tipp: Nicht alle Interviews muss man selber machen. Man kann auch jemanden fragen, ob er bereit ist, ein Interview mit XY zu machen, während man sich aufs Aufnehmen konzentriert.
Auch wieder teilen, damit andere profitieren können.

Gemeinsam dokumentieren

In Etherpads oder Google-Docs können mehrere gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. In solchen Protokollen erscheinen automatisch verschiedene Aspekte, die aus verschiedenen Perspektiven wichtig sind. Noch ist das ungewöhnlich, gemeinsam an einem Dokument zu schreiben. Aber fertig ist es nach der Veranstaltung auch schon. Und man wird wahrscheinlich auf Gedanken gestoßen, die man selber noch nicht hatte. Damit setzt man sich nicht nur mit dem Vortragenden auseinander, sondern gleich auch mit den Gedanken der anderen. Wieder eine Intensivierung von Lernen.

Tipp: Etherpad oder Google Doc vorher vorbereiten und den anderen den Link zur Verfügung stellen.
Auch nachher den Link mit den Inhalten auf sozialen Medien oder auf dem Blog veröffentlichen.

Dokumentation auf Papier

geht natürlich auch – von Mitschrift bis Sketchnote. (Ergänzung am 26.3.2019)
Darauf wies mich Annette Hexelschneider mit ihrem Blogpost hin.

Ich kann nur zuhören oder schreiben

Das höre ich manchmal dazu. Im Studium war das am Anfang auch die große Herausforderung. Aber bald merkt man, dass es sehr wohl geht, zuzuhören und zu schreiben – und dabei das Lernen viel intensiver ist, als nur beim Zuhören. Manchamal muss man das eben wieder neu trainieren.

Dokumentiere Deine nächste Konferenz um intensiver zu lernen

Das Corporate Learning Camp ist eine sehr gute Gelegenheit für diese Form des selbstgesteuerten Lernens. Aber auch jede andere Konferenz ist dazu gut geeignet. Und: Vergiß das Teilen nicht.