Viessmann – am Dienstag

STARTETAPPE – Neugierde, oder: Die Eine hat’s, der Andere nicht!?

Neugierde – das ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, seine Komfortzone zu verlassen und zu lernen. Sie ist somit die Triebfeder für Experimente, Innovationen und Fortschritt. Und somit auch Ausgangspunkt des selbständigen Lernens. Aber außerhalb unserer Komfortzone liegen nicht nur Chancen und Flow-Erlebnisse sondern auch Unsicherheit und Risiken. Viele von uns büßen deshalb mit zunehmender Lebenserfahrung ihren Mut zur Neugierde ein – fatal in einer sich immer schneller verändernden Welt!

Wenn nun aber die Neugierde der Ausgangspunkt für selbständiges lernen ist: Nehmen wir zukünftig nur die Neugierigen mit und vergessen den Rest? Und wieviele Mitarbeiter*innen würden wir dabei überhaupt verlieren?

Oder können wir Menschen (wieder) neugierig machen?

Was wir heute mit Euch diskutieren möchten:
Was erzeugt und was unterdrückt unsere Neugierde überhaupt?

  • Können wir Neugierde erzeugen oder lediglich Hürden abbauen? Und wie machen wir das?
  • Wie hängen Neugierde und Fehlerkultur zusammen?
  • Welchen Einfluss haben Erfahrungen und Gefühle?
  • Was tut ihr oder plant ihr zu tun, um in Kolleg*innen „die Neugierde“ zu wecken?

Zum Thema Neugier haben wir noch ein kleines Video als Input vorbereitet (wenn die Erklärstimme fertig ist einfach weiter klicken, zwischendurch auch ein paar mal…):   https://prezi.com/hkftlxfc1jo-/neugier/?utm_campaign=share&utm_medium=copy 

 

 

Neugierig? Hier noch etwas Hintergrundmaterial:

  • AudeLatreille

    Ich habe alle Kommentare dieser Seite gelesen (aber nicht alle Links…). Ich war ganz neugierig darüber zu lernen, was Neugier genau ist. Ich habe gelesen, weitergescrollt, und zurück. Ich habe viele Erklärungen gesehen, einige Taxonomieversuche wahrgenommen. Ich verstehe aber immer noch nicht was Neugier ist.Ich verstehe auch nicht warum es schlecht sein soll aus einem bestimmten Ziel lernen zu wollen. Neugier scheint diesen unvoreingenommen unerreichbaren utopischen Stand zu sein, wonach wir uns sehnen müssen, um “gute” Lernende zu sein
    Ist Neugier ein Sammelbegriff für die konjunkturellen Bedingungen die unsere Einstellung zum Lernen beeinflussen? Könnte es Sinn machen diese Bedingungen zu identifizieren und zu beeinflussen? Zb. Ich bin derzeit nicht so unstruktiriert neugierig wie sonst, weil mir andere Themen beschäftigen. Ich bin aber gezielt neugierig in den Bereichen, die mein Denken und Tun kurzfristig ermöglichen. Also unstrukturiert vs. Strukturiert neugierig, macht diese Unterscheidung Sinn? Wieviel von meinem “Betriebssystem” muss frei (ohne Stress, ohne Sorgen) sein, damit ich unstrukturiert neugierig sein kann?

  • Pingback: MOOCathon #cl2025 – Runde 6 | Viessmann und die Suche nach der Neugierde – GIS Practice()

  • Kann man Neugierde erzeugen? Ich denke, in gewisser Weise ist das durchaus möglich. Ich erinnere mich an einen Bereich auf der Webseite von Vera Birkenbihl, die mit “anklicken verboten, geheim!” gekennzeichnet war. Dahinter befand sich ein Tracker, der die Klicks gezählt hat :-). Nahezu jeder Webseitenbesucher hat sich reingeklickt, manche sogar wohl häufiger (ich zum Beispiel, es hätte sich ja mal was ändern können). Menschen sind neugierig, jeder hat diesen Wert in unterschiedlicher Ausprägung. Manche Menschen möchten den Dingen auf den Grund gehen, sie in die Tiefe durchdringen und Theorien verstehen. Andere sind ebenso neugierig, es geht ihnen jedoch mehr um die Anwendung in der Praxis. Als Reiss-Profile-Master weiß ich, dass es darum geht, diese Unterschiedlichkeit anzuerkennen und sich beispielsweise in Teams zu Nutze zu machen. Diese Einstellung fördert in meiner Sicht Neugierde, da kein Druck aufgebaut wird, sondern jeder mit seinem Grad an Neugierde ok ist.

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass Gespräche über das “WAS willst du lernen und mit welcher Absicht?” die Neugierde entfachen. Und das kindliche “sich ausprobieren dürfen”, ohne sofort reglementiert zu werden. Ein positiver Umgang mit “Fehlern” wirkt sicher unterstützend. Wenn man mal überlegt, welche großartigen Erfindungen es ohne Fehler nie gegeben hätte; und sei es nur der gestürzte Kuchen mit versunkenen Äpfeln.

  • Stefan Hoffmann

    Neugierig auf ein Zwischenfazit des heutigen Themas und ob wir das alles richtig zusammengefasst haben? Dann seid ihr hier richtig!
    Nachdem wir gestern über die neuen Lernenden und ihre Eigenschaften diskutiert haben behandeln wir heute den Ausgangspunkt der Lernreisen, die Neugierde im Sinne von “Wissbegierde” oder “Offenheit für neues”.

    Zwischenfazit: Neugierde, oder: Die Eine hat’s, der Andere nicht!?

    Laut Wikipedia ist Neugier…das Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere Verborgenes kennen zu lernen.
    Für uns ist sie die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, seine Komfortzone zu verlassen und zu lernen.

    Merck definiert in der “Neugierstudie 2016” einen Curiosity Index der sich aus 4 Dimensionen zusammensetzt:
    Offenheit für neue Ideen
    Wissbegierde
    Kreativität bei der Problemlösung und
    Stresstoleranz
    Es zeigt sich, daß diese Eigenschaften bei den Menschen (Belegschaften) sehr breit verteilt vorkommen, je rund ein Drittel der Probanden werden als wenig, durchschnittlich oder sehr neugierig bezeichnet.

    Wissbegierde und Offenheit für neue Ideen werden in unseren Diskussionen in Verbindung mit Serendipity gebracht, der Gabe, zufällig glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen oder “zufällig” und “im Vorbeigehen” zu lernen. Serendipitous learning findet z.B. in sozialen Netzwerken statt, oft ohne dass sich die Betroffenen über diesen Lernvorgang bewusst sind.

    Die meisten Diskutierenden sehen in der Neugierde eine Charaktereigenschaft, die wir alle in uns tragen, allerdings in unterschiedlichem Maße.
    Die Neugier ist in Kindern bis zum Schuleintritt sehr stark ausgeprägt, nimmt ab diesem Zeitpunkt jedoch rapide und kontinuierlich ab. Erst mit Eintritt des Rentenalters ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen (Chic Thomson: What a Great Idea).
    Der Schluss liegt nahe, dass unser Schul- und Berufsumfeld neugier-feindlich sind.

    Bei der Diskussion der typischen Neugierfeinde werden insbesondere Faktoren wie “Kritik”, “Schuldkultur”, “Stress”, “mangelnde Wertschätzung”, negative Vorerfahrungen sowie “starke Qualitäts-Orientierung” genannt.
    Hinzu kommt, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone immer auch Unsicherheit und Risiko bedeutet, was Bedenken und Angst bis hin zur Neophobie auslösen kann.
    Darüber hinaus erzeugt exploratives Verhalten auch innere Widerstände, da Gewohnheiten und Glaubenssätze u.U. in Frage gestellt werden (müssten).

    Uneins sind sich die Diskutanden in der Frage, ob und wie Menschen wieder neugierig gemacht werden können.

    Was können wir also tun?
    Ich:
    Offen sein für neues, (serendipity)
    Aktives Interesse für Themen außerhalb meiner Komfortzone zeigen (Exploration)
    Private und berufliche Netzwerke bilden
    Organisationen:
    Mitarbeiter zum Experimentieren ermutigen
    Positive Fehlerkultur leben
    Informationsquellen und Netzwerke bereitstellen
    Zeitrahmen für Neugierde schaffen

  • martinlindner

    nach lektüre der beiträge hier, insbesondere eines beitrags von #martinapumpat,
    scheint mir, dass sich hinter der frage nach der “neugierde” etwas anderes verbirgt:
    der wunsch, dass die mitarbeiterInnen ein grundsätzliches verständnis der ganzen firma und ihres eigenen arbeitszusammenhangs haben/anstreben. im digitalen zeitalter ist das imho tatsächlich nötig, vom drogeriemarkt über die versicherung bis zum hightech-mittelständler.

    dann sollte man aber nicht abschweifen und über die anthropologie der neugier philosophieren, sondern das ganz klar den mitarbeiterInnen sagen: wir möchten gerne, dass ihr ständig besser zu verstehen versucht, in welchem größeren zusammenhang ihr arbeitet. wir regen an und belohnen spontanes verhalten, das hier zu einer fruchtbaren atmosphäre der kollektiven neugierde und wissensbegierde führt. nicht irgendwie im allgemeinen, sondern bezogen auf die mission, das geschäftsmodell und die besonderen arbeitsweisen der firma.

    • martinlindner

      (gerade habe ich den merck curiosity-test begonnen. ich musste abbrechen, weil es mich so ärgerlich gemacht hat. das ist in meinen augen genau der diffuse bullshit, den wir bei der diskussion von corporate learning – und auch sonst – nicht brauchen. inhaltlich und formal.)

  • Steffen Peter

    Anbei nochmals ein kleiner Impuls aus Allendorf bei 30 Grad (Im Büro sind es angenehme 20 …..wir können auch Kühlen!)

    Wikipedia sagt zum Thema Neugier (Psychologie)

    Nach Berlynes Aktivationstheorie wird dabei spezifisches Neugierverhalten eher dann gezeigt, wenn ein Organismus vielen Umweltreizen ausgesetzt ist. Man widmet sich hierbei einzelnen Aspekten der Umwelt, um sie zu erkunden und damit das subjektive Reizniveau zu senken. Finden sich zu wenige Reize in der Umwelt, dann zeigt ein Organismus diverses Reizverhalten, er sucht also nach neuen Reizen in der Umwelt, um Langeweile abzubauen. Ein mittleres Reiz- oder Aktivationsniveau empfindet man hingegen als angenehm.[6]

    Eine Studie von 2015 zeigte, dass Menschen, um Unklarheiten zu beseitigen, gewillt sind, Neues zu erforschen, auch wenn es negative Konsequenzen haben kann.[7]

    Hilft “viel” dann doch viel?

    • Stefan Deibel

      Hallo Steffen,
      bin zwar ein paar Tage hinterher, aber mit der Etappe zur Neugier habt Ihr echt einen Nerv bei mir getroffen. Vielen Dank dafür!
      Die Synapsen arbeiten verdammt schnell beim vernetzen verschiedener Themen und es entstehen quasi minütlich neue Fragen in meinem Kopf.
      Aber die Spannenste lautet: Wie werde ich wieder so neugierig wie mein Nachwuchs mit 4 Jahren?

      • Martina Pumpat

        Vielleicht durch ständiges (im Sinne von regelmäßiges) Verlassen der Komfortzone? Ich habe auf einer Reise mal ein junges Mädel getroffen, die konsequent jedes Jahr etwas gemacht hat, vor dem sie richtig Bammel hatte. Das war dann automatisch verbunden mit dem Verlassen der Komfortzone, neugierigem Herangehen an das Unbekannte und Meistern von Ungewohntem. Mich hat das nachhaltig beeindruckt. Und ich denke, auch das Wort Erfolgserlebnisse spielt hier eine Rolle: wenn ich mich traue, aber immer wieder scheitere oder sanktioniert werde, dann wird die Neugierde wohl abnehmen. Bleibe ich aber ergebnisoffen und verzeichne schon die Beschäftigung mit einem Thema als Erfolgserlebnis, dann bin ich automatisch in einem positiven und bestätigenden Modus.

  • Mir fällt noch ein, dass die Neugier vermutlich eine starke Wirkung auf die Lernfähigkeit hat. Bei Themen die einen interessieren lernt man ziemlich mühelos, bei uninteressanten (Muss-)Themen geht fast nix in den Kopf rein (also ich konnte mir mühelos den Technologiebaum von Wirtschaftssimulationen merken, aber bei Lateinvokabeln oder biologischen Sachverhalten ging gar nix…). Damit wären wir wieder beim Thema “wie Neugier wecken”?

    • martinlindner

      ich würde #interesse nicht umstandslos mit #neugier gleichsetzen.

    • jrobes

      Ich zögere hier auch: Es braucht schon Ziele, Motivation und Interesse. Wenn die bei Lateinvokabeln oder biologischen Sachverhalten nicht da waren, sehe ich keinen Mangel an Neugierde. Und wenn du motivierst bist und weißt, warum du etwas tust, muss wahrscheinlich auch keine Neugierde mehr geweckt werden.

      • Stefan Hoffmann

        Beim selbstgesteuerten Lernen möchte ich ja meinen Horizont erweitern – Neugierde hilft da m.E. ungemein die Landkarte nach neuen Themen abzusuchen. Wie ein Kleinkind was alles was es irgendwo findet auf alle möglichen Weisen untersucht.
        Wenn ich dabei ein Thema entdecke, welches mich interessiert, dann setze ich mir vielleicht ein Ziel und bringe die Motivation auf, etwas darüber zu lernen.
        Ohne aktives Interesse an meiner Umwelt wird mir dieser Input fehlen und ich werde mir ein Ziel innerhalb der mir bekannten Welt setzen.

      • Angela Stotz

        Das Wort “warum” hat hier meines Erachtens eine wichtige Schlüsselrolle. Ich muss den Sinn verstanden haben und es muss für mich ein Bedürfnis sein, diesem Sinngedanken zu folgen, dann setze ich viel Energie frei, um zu lernen und weiterzuentwickeln. Wir versuchen, in unseren Lerneinheiten auch immer den Sinn direkt zu Beginn zu vermitteln, jedoch wird dies bei Teilnehmern oft auch nur zu einer Einsicht in die Notwendigkeit und weckt nicht den intrinsischen Wunsch nach Erfüllung. Ich glaube, es ist ein Mix aus Interesse, Motivation, Ziel, Neugier und dem Aufeinandertreffen mit dem richtigen Zeitpunkt beim Lerner, soll heißen: es ist irgendein Ereignis passiert oder ein gefühlter Mangel entstanden, der ihn veranlasst sich zu bewegen. Und damit wären wir wieder beim System, das für eine solche Bewegung zum selbstmotivierten Lernen nicht förderlich ist durch die Verschulung (alles wird mir geliefert, ich muss es nur in mich hineinstopfen) und durch die Prozessualisierung im späteren Job. In der freien Zeit, also außerhalb des Systems, klappt es aber doch des Öfteren: durch das Betreiben von Hobbys.

  • Madlen Freudenberg

    Die Einschätzung von Frau Schlatter hat m.E. nichts mit Pessimismus zu tun, sondern lässt sich recht einfach mit div. Motivations-Studien belegen. Neugierde ist ein zentrales Motiv, dass zwischen sehr schwach und sehr stark individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Ich würde mal unterstellen, dass alle, die sich hier im MOOC befinden eher eine stark ausgeprägte Neugierde haben. Die Menschen, die eine eher gering ausgeprägte Neugierde haben, kann man ggf. aus der Reserve locken, indem man sie in “Konkurrenz-Situationen” mit anderen bringt, und sie aufgrund dessen den anderen nicht nachstehen wollen und deshalb lernen oder indem durch Teamarbeit in gut durchmischten Teams eine Erwartungshaltung, bzw. Teamdruck aufgebaut wird.

    In Teams oder Unternehmen, wo die meisten eher an der Aufrechterhaltung des Status quo interessiert sind, wird das schwierig gelingen. Hier braucht es gezieltes Recruiting und Entwicklung von Teams. Dass das Auswirkungen auf die Unternehmenskultur haben wird, liegt auf der Hand.

  • Alexander Klier

    Ich möchte einen Aspekt einbringen, der eher selten in diesem Zusammenhang diskutiert wird. Das ist für mich die Überlegung, dass aufgrund unserer anthropologischen Ausgangsbedingunen als soziale Wesen (lässt sich gerne weiter belegen ;-)) sowohl von unserem Lernverhalten, als auch von den Aufmerksamkeitsleistungen her in Gruppen agieren. Bezogen auf die Neugierde wäre das also, dass man von anderen neugierig gemacht werden kann. Und zwar ziemlich leicht, wie man ebenfall zeigen kann. Das ist so ähnlich wie die Aufmerksamkeitssteuerung, die Michael Tomasello (warum wir kooperieren) sehr gut mit der Anatomie des menschlichen Auges erklären kann.
    Bezogen auf die Frage heute bedeutet das, dass möglicherweise die Grundannahme, dass Neugierde etwas ist, was man hat (und andere nicht) auf die falsche Fährte führt. Nicht nur, und hier schließe ich mich @simondueckert:disqus an, was die Prozesse betrifft, die Neugier auch systematisch unterdrücken können (weil sie Konsequenzen hat und Transparenz voraussetzt), sondern auch die konkreten Aufgaben von Projekten und Teams. Vielleicht wäre eine hilfreiche Überlegung also die, wie die Kurse oder Lernprozesse angesichts von Gruppen gestaltet werden können, damit diese Neugierig werden und ihre Neugier systematisch steuern, um Probleme zu lösen. Soweit, so abstrakt.
    Anhand meiner eigenen Disziplin, der Philosophie, lässt sich, so meine ich jedenfalls, sehr gut zeigen, dass die Neugier auch keineswegs ungerichtet ist (oder zumindest nicht sein muss). Sie war der Anfang allen Fragens und Forschens und damit entdeckens der Philosophie – und der Naturwissenschaften. Das sollte doch zu aktivieren sein.

    • martinlindner

      ja, das leuchtet mir ein: immer, wenn wir (und ich auch) über “lernen” reden, neigen wir dazu, von isolierten individuen zu reden. die gibt es aber gar nicht, sie sind immer schon teil eines sozialen geflechts, mit einer eigenen dynamik. und auch individuelles “lernen” (und nicht-lernen) entsteht vermutlich vor allem aus wechselwirkungen in diesem und mit diesem geflecht.

      • Wobei wir wieder bei der Lernkultur sind 😉 sh. ottobock am Mittwoch

        • martinlindner

          ich mag den begriff “kultur” hier nicht, weil er so leicht wischiwaschi wird.
          wie lee bryant gerade im postshift-blog sagte (meine übersetzung):

          “Das ist in erster Linie ein strukturelles Problem, und nur sekundär eine Sache der Kultur. Vor allem müssen wir das System umbauen, das Verhalten und Kultur prägt, anstatt die Leute dazu aufzufordern, sich zu verändern, denn dadurch signalisieren wir unterschwellig, sie seien das eigentliche Problem.“

          • Lieber Martin, vielen Dank für deinen Einwand. Ich denke auch das der Begriff “Kultur” alleine nicht zur Lösung beiträgt. Sicher muss auch die Struktur angepasst werden. Wo man jedoch anfängt ist m. E. eine Frage der Perspektive. Ich denke, die verschiedenen Perspektiven müssen zusammenkommen, um ein Gelingen zu befördern.
            Ich hatte mit meinem Spruch übrigens nicht intendiert, dass sich zuerst die Menschen ändern müssen. Für mich greift es immer ineinander… Wichtig ist m.E. zu Beginn, sich der kulturellen und strukturellen Zustände gewahr zu werden… dann kann auch Veränderung angegangen werden.

          • martinlindner

            ich wollte keine kritik an deinem beitrag selbst üben, nur am wording. generell wird das wort “kultur” oft vorschnell gebraucht bzw. vorschnell verstanden. alle tun dann dann so, als wüssten sie, worum es geht, aber “kultur” ist eben nicht so etwas wie “kollektiver mindset”, sondern ein komplexer effekt mit u.a. auch sehr konkret-technischen vorbedingungen. man muss da also immer weiterfragen.

    • Stefan Hoffmann

      Alexander,
      Außerhalb der “Kurslandschaft” schaffen wir es über die Anwendung agiler Methoden gruppendynamische Prozesse (auch des Lernens) hervorzurufen.
      Im Bereich des systematischen Lernens versuchen wir seit ein paar Jahren unsere Nachwuchsführungskräfte miteinander zu vernetzen. Die Top-down Ansätze hierzu waren für mich etwas gezwungen, informell haben sich aber Netzwerke gebildet, die durchaus auch Neugier auf Neues entwickeln.
      Vielleicht sind derartige “Lenrgruppen” die über eine gewisse Zeit zusammen bleiben ja ein Ansatz?

      • Rainer Bartl

        Hallo Stefan, die #WOL-Circles sind ja sozusagen ein spezieller Fall dieser Nachwuchs-FK-Lerngruppen, und die Gruppendynamik ist ähnlich:

        Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig (insbesondere bei Motivations-Durchhängern!), unterschiedliche Erfahrungen & Perspektiven bereichern die eigene Sicht und erweitern die explorativen Möglichkeiten, der Austausch und die Diskussion schafft ein besseres Verständnis der Lern-Inhalte.

        Für mich persönlich gilt – falls es keine Lerngruppe gibt, dann organisiere ich selber eine! Das ist für mich die beste Absicherung gegen vorzeitiges Abbrechen (gerade bei MOOCs!), und ich bin immer wieder aufs Neue begeistert davon, auf wieviel Wertvolles ich erst durch die Tipps & Empfehlungen meiner Mitlerner sowie durch den intensiven Austausch mit ihnen aufmerksam geworden bin – das hätte ich nie & nimmer alleine recherchieren und mir aneignen können!

        Auf diesem Weg ein großes Dankeschön an alle meine Lern-Buddies! 🙂

        • Stefan Deibel

          Hallo Rainer,
          ich kann deine Erfahrung mit Lern-Buddies und Sparringspartnern komplett bestätigen.
          War ich während meiner Uni-Karriere Einzellerner, hat sich mein Vorgehen heute vollständig verändert.
          Um kreative Lösungen und Optionen zu generieren, benötige ich Kollegen und Netzwerkpartner. Und ich glaube, dass man in Unternehmen durch genau solche Konzepte mit internen Netzwerken, kollegialem Austausch und Workshops auf Augenhöhe viel erreichen kann.
          Ich bin mir sicher, dass man die MA & FK auch wieder aus gewissen “neugierhemmenden” Rahmenbedingungen herausholen kann.
          >>>> NFMS:
          Schaffe Räume, Zeiten, Methoden, Werkzeuge und Überzeugung für gemeinsame Entwicklung. Ggf. mit einer einheitlichen Themenbasis.

          • Ich brauche ganz viel Unterschiedliches zum – bewussten – Lernen: einen Grund (Motivation, Interesse), Zeit, Material zum Eigenstudium, Menschen zum Durchhalten und Diskutieren, Anwendungsmöglichkeiten inkl. Fehlern, Reflexionen am besten mit Erfahrenen. Vor allem aber brauche ich Respekt für mein Tempo, meine Begrenztheiten, meine Zweifel und kritischen Anmerkungen. Also viel Frei-Raum.

      • Alexander Klier

        Hallo Stefan,
        die Erfolge außerhalb der Kurslandschaft bedeuten doch erst einmal, dass es grundsätzlich so funktionieren könnte. Und ich meine auch, dass man daran zeigen kann, welcher Bedingungen es bedarf, dass nicht nur gruppendynamische Prozesse greifen, sondern auch die Neugier über die Gruppen induziert werden kann.
        Unabdingbar gehören für mich dabei die Grundprinzipien jeder erfolgreichen sozialen Kollaboration, beispielsweise über ESN, dazu. D.h. zum einen, dass es auch einen Einfluss der Teilnehmer*innen auf die Zielstellung des Kurses (in dem beispielsweise offen bleibt welcher Aspekt nun genau das Interesse weckt) geben muss (zumindest der Möglichkeit nach) und dass sich die Teilnehmer*innen selbst – inklusive des Kursleiters, so es im offiziellen Kurs stattfindet – auf Augenhöhe begegnen. Dann kann, so wäre jedenfalls meine Erfahrung, sehr schnell das Interesse der Gruppe an der Lösung eines speziellen Problems geweckt werden und über dieses gemeinsame Interesse natürlich auch die individuelle Motivation greifen. das dürfte auch eines der Erfolgskriterien der neuartigen WoL-Zirkel sein.
        Umgekehrt gilt sicher: hierarchisch organisiert und eventuell sogar noch vor dem Hintergrund “Du hast da eine Wissenslücke” organisiert, funktioniert es garantiert nicht.

  • Ich glaube nicht daran, dass Menschen im Alter weniger neugierig sind als in jungen Jahren. Meiner Meinung nach verhindern die Systeme, die wir um Menschen herum gestalten, Neugier und Kreativität. Meine Lieblingsmodell von Chic Thomson dazu (mit Eintritt in die Schule sinkt Kreativität, ab Ruhestand steigt sie): https://uploads.disquscdn.com/images/0dde4aa781a0742badaff8eae22994058f292c781e3fdc851fd97c136529076a.jpg

    • martinlindner

      ist neugier und kreativität dasselbe? ist die tratschende nachbarin, die alle intimen informationen sammelt, kreativ? (und wie definiert man überhaupt “kreativität”?)

      • Ich würde die Nachbarin eher in die Kategorie Neugier packen – aber ich denke es ist eine andere Art von Neugier, die wohl eher mit sozialer/hierarchischer Einordnung zu tun hat und nicht die Lern-Neugier.

        • martinlindner

          hat lern-neugier nichts mit einordnung zu tun?

      • Darauf wollte ich nicht hinaus, eher, dass Neugier und Kreativität vermutlich über die Biografie von Menschen verlaufen. Schuld daran sind meiner Meinung nach nicht die Menschen, sondern die Systeme, die wir um sie herum bauen.

        • martinlindner

          da bin ich völlig deiner meinung. mir ging es darum, ein bisschen über das verschwommene motivations-wording hinauszukommen. da sind “neugierde” und “kreativität” immer irgendwie toll, und alle feiern sich selbst. _irgendwie_ stimmt das ja auch, aber man kommt schlecht darüber hinaus, weil es so undeutlich bleibt, was man unter “neugierde” und “kreativität” eigentlich konkret verstehen soll. auch die tratsch-person ist ja neugierig, und auch ihre neugierde hat eine funktion in der auseinandersetzung mit der umwelt. vielleicht kann ma etwas über das wesen der neugierde lernen, oder man kann unfruchtbare formen von fruchtbaren unterscheiden, usw.

          • Stefan Hoffmann

            Die Firma Merck ermittelt in ihrer Curiosity Studie einen “Neugier-Index” .
            Dieser setzt sich aus den Komponenten
            Wissbegierde, Kreativität bei Problemlösung, Offenheit für neue Ideen und Stresstoleranz zusammen.
            Ein m.E. recht gelungener Versuch- Die Stresstoleranz brauchts dann zur Überwindung der Widerstände gegen Veränderung und eventuell eintretenden Mißerfolg.
            https://curiosity.merck.de/

    • Stefan Hoffmann

      Die Kurve korreliert auch sehr schön mit unserer Befragung. Viele der 5+ Generation sahen sich als Fachspezialist ohne größere Notwendigkeit zu weiterem Training (“ausgelernt”).
      M.E. Komfortzone/Kreis der Gewohnheiten in Reinkultur.
      Solange das Umfeld hinreichend stabil bleibt, kann sowas auch problemlos bis zur Rente funktionieren. Aber wehe das Umfeld verändert sich wesentlich.

      • Es ist 5+ nicht 50+ … Ihr habt aber junge Fachexperten, Respekt! 🙂

        • Stefan Hoffmann

          Hmmm – wieder einmal ist wer lesen kann klar im Vorteil 🙂 Die U-Kurve findet sich in den 20 plus Menschen allerdings auch.

    • Martina Pumpat

      Yep, sehe ich auch so. Und bei allen nicht-mehr-Neugierigen würde ich fragen, woher die Haltung kommt…. Ich bin in meinem eigenen Berufsleben auf Unternehmen gestossen, die bei Mitarbeitern ab 50 kein Geld mehr in Weiterentwicklung gesteckt haben (“lohnt sich nicht mehr”) und auch auf Unternehmen, in dem schon das Fragen eines Kollegen nach seinen Themen und Aufgaben als Bedrohung und Einmischung aufgefasst wurden. Wer jahrelang in solch einem Kontext unterwegs ist, hat sich die Neugier und das Lernen vielleicht einfach abgewöhnt? Und nicht jeder hat den Luxus, immer einfach den Job wechseln zu können, wenn die Umgebung nicht passt.

      • Zivka Hiesgen

        Es hängt nicht unbedingt mit dem Alter der Mitarbeiter zusammen. Firmen in deren Kultur Mitarbeiter generell in Ihrer Neugier nur gebremst werden, haben irgendwann das Problem, dass auch junge Leute ihre Neugier verlieren.

        • Stefan Deibel

          Dem kann ich nur zustimmen.
          Aber Dank des #cl2025 gibt es mindest 1.100 Personen, die diese Systeme aktiv hinterfragen. Spannend in diesem Zusammenhang ist wirklich die Frage: Wie und Wo findet man eigentlich diese “unterdrückte” Neugier in diesen Systemen.
          >>>> NFMS:
          Wie kann man in PE-Prozessen ehrgeizgesteuerte Neugierde bei MA erfragen und erforschen?
          Wie lautet der Fragenkomplex, der im Recruitmentprozess dieses Thema aufgreift?

          • Martina Pumpat

            Es beginnt im Recruiting mit einfachen Fragen wie “Wo/wann/was lernen Sie?” und “Wie geben Sie Ihr Wissen weiter?”. Wenn ich dann in große, ratlose Augen schaue, wird es interessant… Und ich mag die Frage “Wie halten Sie sich auf Ihrem Wissensgebiet uptodate?” Hier sprudeln einige los mit Beschreibungen, während andere wiederum gar nichts mit der Frage anfangen können. Und ich spreche nicht von repetativen Tätigkeitsfeldern, sondern Tätigkeiten, die ein ständiges Selbstlernen erfordern wie z.B. IT oder Social Media.

          • Monika Schlatter

            Spannend auch die Frage im Software Bereich: Welche Projekte verfolgen Sie neben der Arbeitszeit? Neugierige MA programmieren auch während ihrer Freizeit an irgendwas rum 😉

    • Markus Metz

      Ich denke auch, dass Neugier sehr oft auf der individuellen Ebene diskutiert und dabei dann die systemische Sicht etwas unterschlagen wird. Wenn man abgeht von der Frage, warum ist die neugieriger als der, kann man sich ja fragen, warum z. B. in einem Unternehmen die Neugier mehr oder weniger ausgeprägt ist. Wenn man davon ausgeht, dass sich Menschen in System meist sinnvoll verhalten, lautet die nächste Frage, warum kann man die Neugier im jeweiligen System nicht beobachten. Und dann geht es ans Hypothesen sammeln: Neugier wird nicht belohnt (Wer wurde schon mal wegen Neugier befördert), evtl. sogar bestraft (halten sie sich da raus), Neugier wird nicht wertgeschätzt, Neugier wird als Übergriff (anderes Kästchen) oder Störung des Alltags (du schon wieder) empfunden, Neugier zieht jede Menge Arbeit (arbeiten sie das mal aus) nach sich und so weiter und sofort. Es gibt also evtl. viele Gründe, warum es eben nicht sinnvoll ist, neugierig zu sein. Und das führt mich mal wieder zu Sprengers “Lassen ist das neue tun”. Vielleicht muss gar nichts geweckt werden, vielleicht ist es auch ok, das der eine oder die andere mehr oder weniger neugierig ist. Vielleicht sollte man einfach nur die Dinge unterlassen, die ich als Hypothesen in den Raum gestellt habe und dann klappts auch mit dem Nachbarn, eh der Neugier…

      • jrobes

        Stichwort: “warum z. B. in einem Unternehmen die Neugier mehr oder weniger ausgeprägt ist”. Und die Frage: Wie messen wir eigentlich die Neugierde im Unternehmen??? Okay, es scheint irgendetwas mit der Kultur zu tun haben, aber was sind belastbare Indikatoren???

        • Stefan Hoffmann

          Die Firma Merck ermittelt in ihrer Curiosity Studie einen “Neugier-Index” .
          Dieser setzt sich aus den Komponenten
          Wissbegierde, Kreativität bei Problemlösung, Offenheit für neue Ideen und Stresstoleranz zusammen.

          Die Studie kommt u.a. zu folgendem Schluss:
          “Neugierige Menschen setzen ihre Ideen in die Tat um. Neugierige
          Mitarbeiter lernen schneller, behalten Informationen besser
          und sind ihrer Position gegenüber positiver eingestellt,
          ganz gleich, welche Funktion sie ausüben.”
          Spannend!

          https://curiosity.merck.de/docs/Curiosity_Full-Report_German.pdf

        • Markus Metz

          Dann begeben wir uns gemeinsam einmal auf die Suche nach Key Neugier Indicators (KNI). Spontane Ideen: die Annahmequote von freiwilligen Lernangeboten, die außerhalb der Arbeitszeit stattfinden; die Anzahl der Fälle, wo Mitarbeiter Fragen aufwerfen, für die sich im Unternehmen niemand zuständig fühlt; Anzahl von Communities of Practise ohne erkennbaren Arbeitsbezug; Quote von Neuprodukten im Produktportfolio… Wer bietet mehr…

          • jrobes

            … die Zahl der Mitarbeiter außerhalb meiner Abteilung, mit denen ich vernetzt bin? firmenübergreifende Veranstaltungen, die ich besuche, Dokumente, die ich aufrufe? … aber vielleicht werfe ich noch einen Blick in die Merck-Studie.

      • Rainer Bartl

        Hallo Markus – passend zu unserer Diskussion in der Lerngruppe: Die Neugierigen scheinen ja diejenigen zu sein, die von sich aus neue Wege / Chancen erkunden und somit die “Zuständigkeitslücken” füllen …

        Deine These, dass sich Neugier zeigt, wenn sie nicht unterdrückt wird, deckt sich auch sehr gut mit meiner Grundüberzeugung im Wissensmanagement, dass “die Menschen grundsätzlich BEREIT sind, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Wenn sie NICHT teilen, gibt es Hindernisse, die man überwinden kann.” Alle von Dir aufgezählten Neugier-Blockierer im System wirken so ähnlich auch als Wissensfluss-Verhinderer.

        Manches davon ist vom Management gewollt (aka Teil des Welt- / Menschenbilds, zB Kontrolle ist notwendig, Einhaltung von Plänen ist wichtig), anderes fällt evtl in den Bereich “unintended consequences”. Hier würde ich darauf hinwirken, im Dialog ein besseres Verständnis für die Konsequenzen der gesetzten Rahmenbedingungen zu erreichen, und diese nach und nach aufzuweichen und in eine neugier- und wissen-freundliche Richtung zu verschieben.

      • Stefan Hoffmann

        Ich denke, es ist ein Mix aus Beidem.
        Erstmal ist die Neugierde von Mensch zu Mensch unterschiedlich verteilt, und dann können wir als Kollegen und Führungskräfte tatsächlich unseren Kolleg*innen die Neugierde “abgewöhnen”.
        Beide Effekte können wohl so auch beobachtet werden (Buch Dr. Naughton: Neugier)

        M.E. ist das mit dem “Unterlassen” der Neugierkiller so eine Sache – wenn ich den Mitarbeiter*innen erstmal etwas abgewöhnt habe bin ich mir nicht sicher, ob sich diese Eigenschaft ohne “Ermutigung” wieder von alleine ausbildet. “Once burnt, twice shy”

  • Ich denke schon, dass es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsneigung (Optimist/Pessimist) gibt, aber auch das Umfeld (“Scheitern erlaubt”, Ermutigung oder Verurteilung, …) eine Rolle spielt.
    Ich denke es braucht eine Balance aus Routinen (die laufen gehirntechnisch quasi automatisch und kosten damit keine Energie > aufgespart für Neugier/Veränderungen) und Neugier/Veränderungen die das Verlassen der Komfortzone erfordern. Die Hemmschwellen könnten bei qualitätsorientieren Menschen tendenziell höher sein, da diese Scheitern vermeiden möchten. Allerdings ist es auch so, dass man aus Fehlern wohl besser lernt.
    Ich vermute außerdem einen Zusammenhang mit der Selbstverstärkung in der Interpretation von Situationen > je nachdem ob ich auf der positiv- oder negativ-Seite bin verstärkt sich dann der Effekt bei ähnlichen Situationen.

    • martinlindner

      ist nicht alles, was mit neugierde zu tun hat, sowieso vor “scheitern” sicher? imho gehört es dazu, dass keine negativen folgen zu erwarten sind. (alles andere ist dann eher so was wie “erforschen”.)

      • Stefan Hoffmann

        Sehe ich nicht so – nicht überall wird exploratives Verhalten wertgeschätzt, insbesondere wenn dabei etwas schief geht.
        Wenn ein MA versucht, eine Aufgabe besser zu erledigen als bisher und scheitert, dann hat er sich zunächst mal nicht an “den Prozess” gehalten – und schon ist er “schuld”.
        Wenn das die Fehlerkultur in einem Unternehmen ist (ich habe mal in so einem Umfeld gearbeitet), dann wird weder selbständig nach Verbesserungen gesucht noch wird experimentiert oder selbständig umgesetzt.

        • martinlindner

          das stimmt natürlich, #fehlerkultur ist essenziell. was ich meinte, war eine nähere bestimmung dessen, was man speziell mit “neugierde” beschreibt: mir scheint, als ob das feld der #neugierde gerade dadurch ausgezeichnet ist, dass dort gar keine fehler möglich sind. das ist quasi die pointe. wenn das nicht gegeben ist, ist es nicht mehr neugierde, sondern man erforscht (vorsichtig, respektvoll, systematisch) etwas, das wichtig und folgenreich ist.

      • Martina Pumpat

        Sehe ich ebenfalls nicht so. Wenn ich z.B. neugierig auf das bin, was mein Kollege macht – einfach, um meinen Horizont zu erweitern – und dann offen oder evtl. sogar durch die Hintertür den klaren Hinweis bekomme, dass ich mich da doch bitte raushalten soll, dann ist “scheitern” zwar der falsche Begriff, aber eine negative Folge ist es auf jeden Fall.

    • Steffen Peter

      Die Diskussion wird uns morgen noch stärker beschäftigen, wenn wir uns direkt um LERNMOTIVATION kümmern.

    • Mick Dscheggah

      Ich bin mir nicht sicher, ob man die Persönlichkeitsneigung vom Umfeld trennen kann. Jeder Mensch wird ja permanent von seinem Umfeld sozialisiert und somit auch in seiner Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst. Daraus entwickeln sich dann natürlich bestimmte Persönlichkeitsneigungen, die aber meines Erachtens auch wieder veränderbar sind – nur mit zuhnehmenden Alter/Erfahrung/Sozialisation eben schwieriger und langwieriger. Ich würde die Hemmschwelle auch nicht an einer Qualitätsorientierung festmachen. Da scheint mir eher die Angst vor dem “Scheitern” größer, und das liegt in der Regel an schlechten Erfahrungen und kann bis in die frühe Kindheit zurückreichen. Solche Muster sind dann mitunter natürlich nur schwer aufzuweichen.

  • martinlindner

    Ja, Neugierde ist sicher ein wichtiger Faktor für Lernen-als-Haltung-gegenüber-der-Welt. Eine interessante Frage, habe ich noch nie darüber gedacht. Kann man Neugierde stimulieren, anregen, ermöglichen? Soll man das? Ist das selbst eine Energiequelle, oder einfach nur ein Symptom für eine balancierte, souveräne Weltwerfahrung?

    Ich habe da vorerst keine klare Antwort. Am ehesten hilft es, glaube ich, wenn man den Leuten den Stress nimmt. Wenn ein spielerischer Überschuss entsteht, unausgelastete Kapazitäten, Raum für entspannende “Fingerübungen” (praktisch, aber natürlich auch mental.)

    Hier ist eine erste Phänomenologie der Neugierde, was mir auf Anhieb einfällt und auffällt.

    — Situative Entspanntheit, Unausgelastetsein
    — Lockerungsübung, Fingerübung [keine ernste Konsequenzen], korr. Hobby
    — Eine Art Lust. Etwas, das stimuliert wird.
    — Einübung von Sekundär-Fähigkeiten in einem nicht-stressigen Raum
    — Frage: “Wozu ist das [für andere] eigentlich gut?”
    — Maxime: “Man weiß nie, wozu es [für mich] gut sein könnte, sowas zu wissen.”
    — Marked Space: Ein System erschließt vage die weitere Umwelt, ohne Dringlichkeit. Was liegt dahinter? Wie geht es da weiter? Spielerischer und ungerichteter als “Erforschen”. Was Ratten tun.
    — Verbindungen herstellen. Nachbarklatsch-Umwelt. Freude an der reinen Festststellung: “X hat mit Y zu tun.”
    — Bunte Interessantheit: Das ist die quasi ästhetische Neugierde. In die Hand nehmen. Genau betrachten. Selbst nachmachen.
    — Selbsterfahrungs-Neugierde: Ausprobieren. Wie fühlt sich das an? Kann ich mich mehr und anders spüren?
    — Ungerichtete mentale und praktische Bewegungsfreude, bereitet die nächsten Positionswechsel / Migrationen vor, ist auch eine Wegbewegung vom Bekannten.

    Anekdote: Als Excel erstmals in die Büros kam, hatte ich einen Studentenjob. Da war jemand in der Arbeitsvorbereitung, der mit Excel irgendwelchen Hobby-Sammlerkram katalogisierte. Ich weiß noch, dass ich dachte: So ein Schmarren. Aber natürlich hat der Mensch auf eigene Faust Excel kennengelernt und ausprobiert, und die Ankunft der Spreadsheets in der Unternehmen war ja eine erste, enorm folgenreiche Revolution: Daten von unten.

    • Stefan Deibel

      Ich finde deine Fragestellungen toll, um neuen “Neugierigen” den Mehrwert und persönlichen Nutzen zu erklären:

      >>>>NFMS:
      — Frage: “Wozu ist das [für andere] eigentlich gut?”
      — Maxime: “Man weiß nie, wozu es [für mich] gut sein könnte, sowas zu wissen.”
      — Selbsterfahrungs-Neugierde: Ausprobieren. Wie fühlt sich das an? Kann ich mich mehr und anders spüren?

  • Martin Geisenhainer

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir die Neugierde wirklich als die Triebfeder für das Lernen im organisationalen Umfeld benennen können. In der Regel findet Lernen im Arbeitskontext dann statt, wenn wir eine Aufgabe lösen müssen, zu der uns die notwendigen Fertigkeiten oder einfach das Wissen fehlt. Sicher hilft hier die individuelle Neugier, sich darauf einzulassen und nach dem Fehlenden zu suchen. Die aus meiner Sicht stärkere Motivation ist es jedoch (Achtung: hier schliesse ich von meinem Verhalten auf andere;-), seinen Job gut und richtig machen zu wollen. Nennen wir das dann Ehrgeiz? Ist vielleicht ein wenig negativ konnotiert. Hat aber in meinen Augen mehr Zielausrichtung, während die Neugier mir noch Raum zum Treiben lassen gibt.
    Greifen wir hier also wieder den Kontext unseres Steinewerfers 😉 auf und fragen uns, inwiefern fördert dieser die Einstellung seiner Mitarbeitenden, ihre Arbeit bestmöglich erledigen zu wollen und sich dazu das jeweils benötige Rüstzeug anzueignen.
    Und ich finde noch den Schritt darüber hinaus mindestens ebenso interessant: was könnte die Mitarbeitenden einer Organisation dazu bringen, in ihrem Kontext neu Erlerntes mit ihren Kollegen zu teilen?

    • jrobes

      Danke, Martin. Du hast ein Fragezeichen für mich aufgelöst: Neugierde hat noch kein Ziel und ist deshalb für das betriebliche Lernen eher eine “hilfreiche Rahmenbedingung”.

      In dem Zusammenhang fällt mir gerade auch irgendwie das Stichwort “serendipitous learning” (also das “zufällige Lernen”) ein, das vielleicht zur Neugierde besser passt als das zielgerichtete Lösen eines Problems oder das Verfolgen eines klaren Ziels.
      Siehe z.B. Jane Hart und “Serendipitous learning on Twitter” http://c4lpt.co.uk/how-to-use-twitter-for-social-learning/serendipitous-learning-on-twitter/

      • martinlindner

        ja, #serendipity hat schon was mit #neugierde zu tun, aber ist nicht dasselbe. auch kein sehr gut aufgeklärter begriff. ich finde, man sollte auch das #spielerische als verwandten begriff dazunehmen.

        • jrobes

          … deshalb taucht er auch in keinem mediendidaktischen Handbuch auf, hat aber im Netz schon viele Freunde gefunden. Gerade auch im Zusammenhang mit Routinen des persönlichen Wissensmanagements und der Nutzung von Social Media. Und, ja, ich finde auch das #spielerische gehört in die Reihe, die sich hier gerade entwickelt.

          • martinlindner

            ich versuche, den begriff #serendipity im buch zu erklären 😉

            (das gemeinsame der begriffe ist immer der überschuss, die beschäftigung gerade mit dem, was _nicht_ nützlich ist und _dadurch_ andere arten des denkens/handelns ermöglicht. und im fall von serendipity: begegnung mit anderen mustern und impulsen ermöglicht, die man in das eigene, bekannte feld einschleusen kann, um es zu verfremden und in fluss zu bringen.)

          • Stefan Deibel

            Ich habe den Begriff das erste Mal hier im MOOC gehört/gelesen.
            Danke an Euch Vorredner, dass ich aus meinen Vermutungen und nicht-konkreten Nachforschungen, dann heute doch tolle Erklärungen dafür bekommen –
            serendipity live @cl2025
            Das letzte solche Erlebnis war vor wenigen Wochen, als ich gelernt habe (Quelle vergessen), dass es an der Tankanzeige im Auto einen kleinen Pfeil gibt, der anzeigt auf welcher Seite der Tankdeckel ist. Eine sehr wertvolle Erkenntnis bei der Nutzung unterschiedlicher Fahrzeuge.
            @martingeisenhainer:disqus ich finde deinen Denkanstoß sehr gut. Danke dafür. Neugier im Mix mit Ehrgeiz, könnte eine gute Mischung für Innovatoren sein 😀

          • Monika Schlatter

            Den Begriff Serendipity habe ich vor rund 20 Jahren kennengelernt im Zusammenhang mit Arzneistoffentwicklung von einem weitsichtigen Professor. Er ist einer der Begriffe die ich verwende um Leuten den Nutzen von PKM und Netzwerken zu erklären und für mich absolut zentral. Serendipity gab es schon immer, dank dem (Ver)Netz(en) können wir die Chance erhöhen, dass er eintrifft.

      • Povoden Werner

        Andrea Back versteht unter dem Wort ,,Serendipity” – Glückliche Fügung bzw. Spürsinn”. da es hierfür im Deutschen keine adäquate Entsprechung gibt. Sie verweist auf einen Artikel von Pagan Kennedy in der New York Times.

        Der Artikel enthält Erkenntnisse, wie man im eigenen Arbeitsalltag die
        Chance für innovative Ideen steigert: Wer strikt seine To-Do-Listen
        abarbeitet, verliert beispielsweise den Blick für neue Gelegenheiten.
        Eine Studie zeigte, dass sogenannte “super-encounterers” sich in ihrem
        Arbeitsalltag Zeit einräumten, um sich mit anderen Themen ausserhalb des
        eigenen Arbeitsumfeldes zu beschäftigen und so nicht nur Ideen für sich
        selbst, sondern auch für Freunde und Kollegen entwickelten. Nachfolgend der Link zum Artikel. Ich glaube er trägt zum Verständnis des Begriffes in dem hier diskutierten Kontext bei.

        https://www.nytimes.com/2016/01/03/opinion/how-to-cultivate-the-art-of-serendipity.html?_r=1&referer=https%3A%2F%2Ft.co%2FHeaBM6zpgT

      • Stefan Hoffmann

        Serendipity ist die Gabe, zufällig glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen – Offenheit für Neues wäre da ein recht gutes deutsches Synonym, und das passt tatsächlich hervorragend zur Neugierde.
        Mit dieser Gabe dürfte eine der ersten Lernhürden, der Widerstand gegen Neues und Veränderungen, stark minimiert sein.
        Leider sehen wir oft die Chancen am Wegesrand nicht, da wir uns entweder zu sicher (selbstgefällig) geworden sind oder zu sehr aufs Ziel fokussiert.

        Ohne das Konzept von Jane Hart genauer zu kennen ein fabelhafter Ausdruck!

    • Steffen Peter

      Sehr interessante Diskussion. @all: Danke.
      @@martingeisenhainer:disqus Wir glauben, dass es immer schwerer wird seinen Job gut und richtig zu machen, wenn hier viel Dynamik drin ist. Gerne würden wir “unsere” Lernenden darüber hinaus qualifizieren oder sich hierüber hinaus Chancen zur Aneignung geben.

  • Imke Rtmn

    Ich wage mich nun auch mal zu Wort und möchte mich jrobs anschließen: Ich denke ebenfalls, dass wir alle grundsätzlich neugierig sind. Vielleicht müssen wir nur mal an die Hand genommen werden um neue Erfahrungen zu wagen.
    Ich bin Studentin an der Hochschule München und nehme am MOOC im Rahmen eines Onlineseminars teil. Dieser war zunächst einfach nur die interessantere Alternative zum anderen Kurs. Jedoch hat der Kursleiter es ab der ersten Sekunde durch Transparenz, gut zu lösende Aufgabenstellungen und einen langsamen Start in der Onlinelehre (war für etwa die Hälfte das erste Onlineseminar) geschafft, dass ich mit Begeisterung und auch Neugierde dabei war.
    Ich denke daher, dass man ein wenig offen für neue Erfahrungen sein muss, damit Neugierde in neuen und unbekannten Gebieten entfacht werden kann. Wichtig sind Menschen um einen herum, die einem ggf. einen kleinen Schubs in die unbekannte Richtung geben.
    Um neue Erfahrungen zu sammeln, ist es vielleicht auch sinnvoll, wenn man diese zunächst in einem „geschützten Rahmen“ sammeln kann, wo es nicht schlimm ist einen Fehler zu machen. Dadurch kann man (aus den Fehlern) lernen und gleichzeitig Selbstbewusstsein aufbauen, wenn alles gut geklappt hat. Folglich fühlt man sich gestärt und sicherer und ist offen auch mal aus der Komfortzone zu treten und dort Neues zu probieren Hierbei ist nach meinen Erfahrungen eine gute Anleitung und Ansprechperson von großen Wert, damit der Schritt ins Unbekannte gelingen kann und man Lust auf mehr bekommt.

    • Gratulation zu der Möglichkeit, auf diesem Weg an der Hochschule etwas zu lernen! Und vor allem großen Dank an den Kursleiter, dass den Studierenden diese Möglichkeit eröffnet wird und er auch scheinbar gut unterstützt. Ich habe vor einigen Jahren mit einer Gruppe Studenten an dem Management 2.0 MOOC von Simon teilgenommen, und ich bekomme noch heute Feedback von den damaligen Studenten, dass der MOOC eine tolle und vor allem lehrreiche Erfahrung für sie war, welche viel für das heutige Berufsleben gebracht hat.

      • Imke Rtmn

        Danke für die tolle Reaktion:-)
        Bis jetzt stehen wir dem MOOC ehrlich gesagt gemischt gegenüber, aber diese Woche haben wir alle mehr Zeit und werden uns intensiver damit auseinander setzen.
        Da ich mich nun auch mal selber beteiligt habe, merke ich, dass es tatsächlich Spaß macht die Diskussion zu verfolgen und mich mit dem Thema auseinander zu setzen. Langsam ergibt der MOOC Sinn in meinem Kopf:-)

        • Es gibt noch eine Hürde, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Wie schreibt man denn auf Basis der Teilnahme an einem MOOC eine Klausur? Die Inputs einem MOOC sind so vielfältig, dass man nicht weiß, wo anfangen und wo aufhören.

          Dazu zwei konkrete Lösungsvorschläge. Einmal kann man eine kursbegleitende Evaluation aufsetzen, d.h. man erreicht die formale Bestätigung durch dokumentierte Handlungen während des Kurses. Das ist aber im Uni-Betrieb eher schwierig. Ich habe es in späteren Durchläufen immer so gemacht, dass ich fünf Themen aus dem MOOC ausgewählt habe und die Studenten diese in der letzten Veranstaltung in Form von World Café-Runden bearbeitet haben. Damit konnten die Inhalte des MOOCs (oder auch einer Reverse Classroom-Veranstaltung) gut gemeinsam reflektiert werden und man hat auch gleich noch Erfahrung mit einem weiteren Format gesammelt. Und die Ergebnisse der World Café-Runden waren dann die “Stoffabgrenzung” für die Klausur.

          • Imke Rtmn

            Die Idee mit dem World-Café ist super. Ich gebe sie gerne weiter:-) Bei uns geht es im Leistungsnachweis nicht ausschließlich um den MOOC. Wir behandeln allgemein Lernen im Digitalen Raum und haben als Beispiel und zum selber Ausprobieren (neben dem eh im digitalen Raum stattfindenden Seminar) den MOOC vorgeschlagen bekommen. Wir sollten uns ein Lernziel für den MOOC setzen und darüber dann eine Hausarbeit auch allgemein über digitales Lernen schreiben. Eine Reflexion über den MOOC und das Online-Seminar werden auch Bestandteile der Hausarbeit sein.

          • Stefan Hoffmann

            …das würde darüber hinaus auch das Problem lösen, wie wir all den vielfältigen Input bis Freitag zusammenfassen sollen!
            Just Kidding!

    • Stefan Hoffmann

      Gratulation zu dem Professor, der seinen Studenten im Rahmen eines Seminares solche Erfahrungen ermöglicht!

    • Stefan Deibel

      Hallo Imke,
      ich kann deinen Ansatz “Leute an die Hand” zu nehmen, die nicht tagtäglich mit PE, Weiterbildung, Innovation usw. zu tun haben voll und ganz unterstützen.
      Gerade im technischen Bereich, der vielen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, fühlen die Mitarbeiter und Führungskräfte sich häufig mit einer gewissen “Zielunsicherheit” bei kreativen Prozessen unwohl.
      Gleichzeitig hat sich in einigen Projekten gezeigt, dass das Aufzeigen von möglichen neuen Handlungsoptionen, Herangehensweisen oder Methoden teilweise diese Hürden abbaut. Auch die Sicherheit nicht verpflichtet zu sein, sondern die alleinige Entscheidungsgewalt über das “Ausprobieren” zu haben, sorgt häufig dafür, dass nach dem Motto gehandelt wird “Ich probier’s. und wenn es nichts für mich ist, lasse ich es!”
      >>>> NFMS:
      Wie kann man Neugier, Ehrgeiz, Heranführen, Optionsangebote, Opt-Out, Entscheidungsfreiheit, Rückkehr zu Bewährtem, Achtsamkeit und Erkenntnisdrang miteinander verbinden???

  • Steffen Peter
  • jrobes

    Ich werfe mal den ersten Stein. Vielleicht sind wir uns ja an dieser Stelle einig, dass Neugierde kein Persönlichkeitsmerkmal bzw. Charaktereigenschaft ist (Die Eine hat’s, der Andere nicht!?). Also sind wir prinzipiell alle neugierig. Nur vom Kontext (Sozialisation, Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur usw.) hängt es ab, ob wir diese Neugierde auch ausleben.

    Im Rahmen der Didaktik bzw. Mediendidaktik ist mir Neugierde vor allem an zwei Stellen begegnet. Natürlich betont die Ermöglichungsdidaktik (Arnold) u.a.: “Lernenen wird Raum geboten für Neugierde und Entdeckung(sarbeit).” (https://wb-web.de/wissen/lehren-lernen/ermoglichungsdidaktik.html) Und wir haben das Stichwort “exploratives Lernen”, dass uns als didaktisches Prinzip anhält, jenseits linearer Lernprozesse mit der Neugierde der Lernenden zu spielen.

    Ich glaube, die Crux mit der Neugierde begegnet uns auch bei anderen Eigenschaften wie Selbstorganisation, Motivation oder Kreativität. Jede/r hat es/ ist es, aber wir (Institutionen, Strukturen, Prozesse, Pädagogen) haben es geschafft, sie erfolgreich zu unterdrücken und kleinzuhalten. Und jetzt sollen sie wiederbelebt werden. Aber wieder angeleitet. Oder einmal ganz frei formuliert: An welcher Stelle endet eigentlich die (Ermöglichungs)Didaktik?

  • Monika Schlatter

    Hier bin ich ein sehr pessimistischer Mensch. Ich glaube, es gibt die Neugierigen und die Nicht-Neugierigen, die in der Komfortzone bleiben wollen. Dazwischen gibt es eine gewisse Gruppe, bei der man eventuell Neugier erzeugen kann, aber wer nicht wirklich neugierig war, wird es auch nicht werden. Diese Menschen lassen sich nur auf Neues ein, wenn sie direkt einen Nutzen sehen- zB der Kollege hat mit dem neuen Programm 5 kg abgenommen, das will ich auch probieren. Das hat aber nicht wirklich was mit Neugier zu tun, sondern mit incentives.

    • jrobes

      Sollten/ müssen nicht alle Pädagogen “von Berufs wegen” optimistisch sein! 😉

      • Steffen Peter

        Ja! Wir haben das so gelernt bekommen

        • jrobes

          … da spricht der Diplom-Pädagoge

    • martinlindner

      ich sag mal, unbewiesen: ich glaube schon, dass jede/r mensch neugierig ist, oder es jedenfalls wäre, wenn die umstände stimmen. es hat aber schon auch mit einer art vitaler energie zu tun – manche leute sind einfach zu gestresst, um neugierig sein zu können. manchen wurde sie auch, zusammen mit dem spielerischen, ausgetrieben.

    • Monika Schlatter

      Ich bleib kritisch ;-). Vitale Energie spielt sicher eine grosse Rolle- bei uns allen. Aber die Komfortzone veranlasst gewisse Menschen, sich gar nicht weiterzuentwickeln zu wollen. Es läuft ja gut- Job, Familie, Zuhause, was will man mehr?
      Auch bleib ich dabei/bin mit Jochen Robes uneinig, dass es auch (!) eine Charaktersache ist, zumindest WIE neugierig man ist. Ich habe 3 Kinder. Nr 1 ist extrem neugierig, der Prototyp selbstgerichtetes Lernen, saugt alles auf und liest alles, was ihm in die Finger kommt (und bockt ganz furchtbar beim formalen Lernen ;-)). Nr. 2 hingegen lässt das Lernen an sich rantragen, macht zwar brav alle Aufgaben, doch nimmt dann seinen Ball und übt stundenlang (monoton) Toreschiessen. Da beide aus dem gleichen Elternhaus kommen und die praktisch gleichen Voraussetzungen haben, kann ich mir dies nicht anders erklären als mit Charakterunterschieden.
      Ehrgeizig sind sie aber beide, und da kommt Martins Beitrag ins Spiel, den ich sehr gut finde. Ehrgeiz als Triebfeder, Neugier als hilfreiche Rahmenbedingung.

    • Stefan Hoffmann

      Monika, ich glaube nicht, dass es per se “nicht neugierige” Menschen gibt – ich habe noch nie ein nicht neugieriges (wissbegieriges) Kind getroffen. Nur Eltern, die den Kindern das Fragen verboten oder mies gemacht haben.
      Ohne Neugierde würden wir die Welt um uns herum nicht erkunden, unseren Horizont nicht erweitern. Viele hören nur irgendwann einmal damit auf.

    • Mick Dscheggah

      Ich denke, die Unterteilung in neugierige und nicht-neugierige Menschen führt am Kern der Sache vorbei. Jeder Mensch ist grundsätzlich neugierig – sonst würden manche Kinder ja erst gar nicht das Laufen oder Sprechen lernen. Ohne Neugier an seiner Umwelt könnte der Mensch ja nicht existieren. Außerdem wird dadurch wieder der Fokus auf die Einzelnen gelenkt und mögliche Probleme struktureller Art werden dadurch verdeckt. Ich finde auch, dass die Komfortzone als Begriff dadurch, zu Unrecht, einen negativen Anstrich bekommt. Die Komfortzone spiegelt ja ein gewisses Sicherheitsempfinden, das jeder Mensch benötigt, wider. Dass sich Menschen mehr oder weniger aus der “Komfortzone” bewegen, liegt glaube ich nicht an der Komfortzone an sich, sondern vielmehr in den gemachten Erfahrungen beim Verlassen der Komfortzone – sowohl was die Konsequenzen, als auch die Bedingungen des Verlassens der Komfortzone betrifft.