Lernen agil und lean – die Erweiterung der Handlungskompetenz im Arbeitsumfeld

Sprint-Ergebnisse

In diesem CL-Sprint sollen die „agilean Lernprinzipien“ für das betriebliche Umfeld zur Diskussion gestellt und gemeinsam weiterentwickelt werden.

Hintergrund des Sprints

Heinz Erretkamps hat mit agilean eine Fusion von agilen und leanen Elementen des Projektmanagements erschaffen, die das Beste der beiden Welten vereint.
Das Ziel: Jedes Teammitglied soll jeden Tag die richtigen Dinge mit Freude richtig tun und dabei die individuell erforderliche Handlungskompetenz selbst erweitern.
Das bekannte 70:20:10-Modell wurde ebenfalls erweitert – und ist nun ein 70:20:10:10-Ansatz.

Das bedeutet: 70% Selbermachen, 20% Begleitung, 10% Wissensvermittlung und zusätzliche 10% eigene Weiterentwicklung.

Zu agilean gehört der nachhaltige, effektive Kompetenzaufbau bei jedem einzelnen Mitarbeiter: einerseits in Form von Wissensvermittlung, andererseits durch die sofortige Anwendung und Verankerung des Gelernten in der Praxis. agilean führt die Kompetenzen und Skills, die die Menschen situativ benötigen, dann im laufenden Arbeitsprozess ein, um die Unternehmen, Teams und Teammitglieder optimal zu unterstützen und ihnen bei der Entfaltung ihrer Kompetenzen und Potenziale zur Seite zu stehen.

agilean ist ein menschenzentrierter Ansatz und basiert auf Schutz- und Leitplanken, die den Menschen einerseits schützen und andererseits Fokus geben. Die Schutzplanken helfen dabei, Störungen von außen zu minimieren, während die Leitplanken einen klaren Fokus auf die zu liefernden Arbeitsergebnisse und den damit verbundenen Kompetenzaufbau setzen.

Die Schutz- und Leitplanken manifestieren sich in der Praxis durch verschiedene Zeremonien und Artefakte wie beispielsweise Visualisierung, Boards, regelmäßige Treffen und Kommunikation untereinander.

Ein Beispiel für agilean-Schutz- und Leitplanken ist das Sprint Task Board: hier wird sichtbar, welche Ergebnisse das Team liefern wird und wie diese erreicht werden, inklusive der Kompetenzen, die sich das Team im Prozess aneignen wird.

Ein weiteres Beispiel ist das Impediment Board, das aufzeigt, welche organisationalen Engpässe das Team in der Arbeit behindern. Dies kann dann als konkreter Hinweis für Lernmöglichkeiten und organisationale Entwicklung verwendet werden.

 

Beiträge aus der Praxis

Sascha Parastandeh ist Agile Coach Hardware bei Native Instruments GmbH und wurde 2017 zum agilean Coach zertifiziert. Seitdem wurde agilean als Arbeitsmethode in die Firmen-Policy aufgenommen und Saschas Projekte laufen ausschließlich agilean. Er berichtet über den Ablauf des Kompetenzaufbaus bei Native Instruments, die Herausforderungen und die größten Erfolge.

Lydia Keldenich ist Vorstand der Thurn und Taxis Consulting AG, des ersten agilean-Centers. Lydia hat die innovative Didaktik der agilean-Lehrgänge mit entwickelt und leitet regelmäßig agilean-Lehrgänge. Sie wird über die agile Lern- und Lehrstruktur erzählen – und verraten, wie agilean inhärent bei den Trainings zum Tragen kommt.

Das Lernen auf agileane Art legt dreizehn Prinzipien zugrunde, die die agile mit der leanen Arbeitsweise verbinden und zu mehr machen als der bloßen Summe ihrer Einzelteile.

 

To Dos – Eure Aufgaben im Sprint

Lest euch die folgenden Prinzipien des agileanen Lernens durch, die auf der Basis von N. Graf et al. um die Aspekte des Lean Learnings erweitert wurden. Bitte tauscht euch auf der Disqus-Plattform über die einzelnen Prinzipien aus und nehmt Bezug auf folgende Leitfragen:

  1. Welche der genannten Prinzipien unterscheiden sich deutlich von den üblichen Lernformaten des betrieblichen Lernens?
  2. Wie lassen sich diese Prinzipien konkret umsetzen?
  3. Welche Vorteile siehst du bei der Anwendung/ Umsetzung dieser Prinzipien?
  4. Welche Herausforderungen ergeben sich deiner Meinung nach bei der Umsetzung im betrieblichen Umfeld?

Prinzipien des agilean Lernens

Quelle: N. Graf, D. Gramß, F. Edelkraut: Agiles Lernen – Neue Rolle, Kompetenzen und Methoden im Unternehmenskontext.

Abgeleitet aus den Prinzipien des agilean Handlungsrahmens und des agilen Manifests bzw. der agilen Lernprinzipien (vgl. N. Graf et al. Kap. 11.4).

  1. Unsere höchste Priorität ist die Ermöglichung eines individuellen kontextbezogenen Kompetenzaufbaus (Value) durch die Bereitstellung eines Lern- und Handlungsrahmens, der einen konkreten Bezug zum Arbeitsumfeld hat.
  2. Die Überprüfung und ggf. Anpassung der Lernziele erfolgen kontinuierlich. Änderungen, die zu einem definierten Mehrwert führen, sind willkommen, auch in laufenden Lernprogrammen (learning on demand), ohne dass das „Wozu“ verwässert wird.
  3. Der Kompetenzaufbau erfolgt kontinuierlich. In kurzen Zyklen werden die Arbeitsergebnisse demonstriert und reflektiert, die durch den Kompetenzaufbau möglich wurden. Auf der Metaebene wird der Kompetenzaufbau reflektiert, verankert und optimiert.
  4. Ein Lern- und Handlungsrahmen wird im konkreten Arbeitsumfeld für crossfunktionale Teams konzipiert und realisiert.
  5. Teams sollten um motivierte Menschen herum organisiert werden, die das Bedürfnis haben, ihre Kompetenz zu entfalten.
  6. Lernende erhalten sinnvolle Rahmenbedingungen (Schutz- und Leitplanken), Vertrauen und agieren selbstbestimmt.
  7. Die beste Art der Kommunikation geschieht von Angesicht zu Angesicht. * Noch mehr Transparenz wird durch Visualisierung erzeugt.
  8. Arbeitsergebnisse im operativen Alltag, die den Kompetenzaufbau demonstrieren, sind die Maßeinheit des Lernfortschritts.
  9. Alle Stakeholder sollten einen kontinuierlichen Ergebnisfluss aufrechterhalten, in dem sich der Kompetenzaufbau manifestiert.
  10. Kontinuierliches Streben nach Exzellenz und hoher Produktivität verstärkt das Lernen.
  11. Einfachheit, also die Kunst, auch Dinge nicht zu tun, ist essentiell. *
  12. Die besten Ergebnisse kommen aus selbstorganisierten Teams. Idealerweise entsteht Emergenz.
  13. In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team Möglichkeiten, noch besser zu werden, und setzt entsprechende Maßnahmen um (vgl. Punkt 3).*

*Diese Aspekte stammen unverändert aus dem Agilen Manifest.

 

Aufzeichnung der Live-Session

Als Podcast: https://colearn.de/clp057-cl-sprint-lernen-agil-und-lean/.

Als Video:

Folien von Lydia: agilean im Training

Sprint Team

Heinz Erretkamps (agilean GmbH, www.agilean.de)

Sascha Parastandeh (Native Instruments, www.native-instruments.com)

Lydia Keldenich (TTC AG, www.ttc-ag.de)

Volkmar Langer (LACOBE GmbH, www.lacobe.de)