CLC München #CLC089: Content Curation im Corporate Learning

Die regionale CLC-Community in München hatte Stefan Diepolder beim Meetup “Content Curation im Corporate Learning” zu Gast.

Stefan beschreibt Content Curation als…
…das Auffinden, Filtern, Organisieren und Aggregieren von aktuellen, verifizierten und für das Zielpublikum relevanten digitalen Informationen. Die Inhalte werden vom Kurator derart aufbereitet, beschrieben, angeordnet und in neue Zusammenhänge eingebettet, dass sie bereits auf den ersten Blick sowohl inhaltlich als auch medial interessant sind.

Das Thema gewinnt an Bedeutung, weil uns noch nie so viele Informationen zur Verfügung standen wie heute – und diese sind auch noch digital, jederzeit und überall auf den unterschiedlichsten Endgeräten abrufbar. Experten teilen ihr Wissen über Blogs, Podcasts, Twitter usw. und das Internet ist ein mächtiges (wenn nicht sogar DAS) Lernmedium.

Gleichzeitig überfordern so viele Möglichkeiten auch schnell und nicht jeder hat bzw. nimmt sich im Arbeitsalltag die notwendige Zeit, relevante Informationen aus dem Netz zu suchen, deren Inhalte zu verifizieren und eigene Schlüsse daraus zu ziehen. Das heißt, wir haben zwar unfassbar viele Informationen frei zur Verfügung – deren Nutzen fürs Corporate Learning wird aber noch nicht richtig ausgeschöpft.

Wie jeder individuell mit der Informationsflut umgeht und vom Wissensschatz des Internets profitiert, hat Harold Jarche in seinem SEEK-SENSE-SHARE Modell beschrieben. Dies lässt sich sehr gut auch auf das Kuratieren von Inhalten anwenden. Im ersten Schritt, dem SEEK-ing, geht es dabei um die Suche und Vorselektion aktueller und relevanter Informationen zu einem Thema oder einer Fragestellung.

Dies alleine ist aber noch nicht Content Curation. Oftmals werden reine Filtertätigkeiten, die mittlerweile auch schon von digitalen Werkzeugen wie z.B. Refind, Pocket und Anders Pink ausgeführt werden, mit Kuratieren verwechselt. Content Curation geht jedoch einen Schritt weiter und beinhaltet auch das sinnvolle Verknüpfen von Informationen, diese in einen Kontext zu setzen und der Zielgruppe verständlich und ansprechend aufzubereiten. Harold Jarche nennt dies SENSEmaking.

Im letzten Schritt, dem SHARE-ing, geht es darum, seine wertvollen Informationsquellen und Lernerfahrungen nicht nur für sich zu behalten, sondern diese öffentlich zu machen und mit Kollegen innerhalb der Firma und in sozialen Netzwerken aktiv zu teilen. Learning out Loud sozusagen. Hierzu sind besonders Enterprise Social Networks (ESN) wie z.B. Microsoft Teams, Slack innerhalb von Unternehmen und Social-Media-Kanäle wie Linkedin oder Twitter extern geeignet.

Wichtig für einen guten Kurator ist also, dass er seine Zielgruppe sehr gut kennt, weiß was für sie Relevanz hat und über welche Kanäle er sie am besten erreichen kann.

Diskussionen gibt es, ob Mitarbeiter durch kuratiere Inhalte die eigene Fertigkeit zur Recherche und kritischen Beurteilung von Informationen verlieren, was wiederum ein wichtiger Bestandteil von selbstgesteuertem Lernen ist. Dem kann entgegengewirkt werden, indem jeder das Mindset eines Kuratoren entwickelt.

Weiterhin wird kritisiert, dass Mitarbeiter durch kuratierten Content einseitig informiert werden, weil bereits eine Vorselektion stattgefunden hat. Stefan Diepolder gab hier zu bedenken, dass auch Sachbücher von einem Autor kuratiert werden und der Autor immer Einfluss auf den Inhalt hat.

Für wen macht es also Sinn sich weiter mit Content Curation zu beschäftigen?
Für Personalentwickler, die als Lern-Enabler und Methodenspezialisten den Fachabteilungen und Kollegen wichtige Impulse und Werkzeuge an die Hand geben möchten. Für Unternehmen, um das bereits in Internet und diversen Content Bibliotheken vorhandene Wissen effektiv nach ihrem Bedarf zu filtern und gewinnbringend für ihre Mitarbeiter einzusetzen. Und für jeden von uns, damit wir stets gut und aktuell informiert sind und unsere persönliche Entwicklung selbst in die Hand nehmen.

Und da wir #clc089 unser Wissen auch mit euch teilen möchten, haben wir Stefan beim Meet up zu einem spontanen Smartphone-Video überreden können. Herzlichen Dank an Stefan für seinen Input zu dem Beitrag und seine unglaubliche Begeisterung für das Thema.

 

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