Audi am Dienstag

Mobiles Lernen in der Audi Berufsausbildung

Zum zweiten Tag der Woche mit Audi im Corporate Learning 2025 Moocathon möchten wir Euch mit in die Ausbildung nehmen. 2017 sind wir zum zweiten Mal laut der Studie des Magazins Focus Money als Deutschlands bester Ausbildungsbetrieb in der Kategorie „Automobilhersteller“ ausgezeichnet worden. Wie werden wir diesem Anspruch auch in Zukunft weiter gerecht?

Zur Stärkung der Handlungskompetenz der Auszubildenden haben wir bereits vor knapp zehn Jahren die Weichen für ein stärker selbstgesteuertes Lernen der Auszubildenden gestellt, mit dem Konzept „S-learn“. S-learn als ein Baustein für den Erfolg unserer Ausbildung hat zum Ziel, dass die Auszubildenden Lernen zu ihrer persönlichen Aufgabe machen: sie begreifen Lernen als lebenslange Herausforderung, bringen ihre Analyse- und Problemlösefähigkeit in Theorie und Praxis ein und stärken dabei das eigene sowie das Lernen in der Gruppe.

Eine konsequente Fortführung ist das Projekt mobile learning, das wir 2014 begonnen haben. Worum geht es in diesem Projekt? Das erklären die Auszubildenden am besten selbst, anhand eines Lernnuggets, das sie erstellt haben:

Das Tablet als Lernbegleiter nutzen: dazu gehört eine Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten, wie etwa das Schreiben des Tätigkeitsnachweises über das Tablet, das Abrufen und Bearbeiten von Lerneinheiten, die entlang der vollständigen Handlung gestaltet sind oder das Erstellen von Lernnuggets, die den Auszubildenden selbst als Lernunterlagen oder Arbeitshilfen dienen. Einen Eindruck, wie das mobile Lernen anhand des Beispiels Elektromobilität in die Ausbildung integriert ist, zeigt das Video Digitales Lernen am Arbeitsplatz (Bayerisches Fernsehen vom 02.11.16).

Nach mehreren Jahren in diesem Projekt zeigt die Erfahrung, dass der Einsatz der Tablets in der Berufsausbildung eine große Bereicherung der Ausbildungspraxis darstellt. Mit euch möchten wir heute das mobile Lernen reflektieren und einen Blick in die Zukunft wagen:


Frage 1: Welche Einflussfaktoren sind zentral aus Sicht der Lerner, so dass mobiles Lernen erfolgreich gelebt wird?


Frage 2: Zukunftsperspektive: Welche Entwicklung wird das mobile Lernen aus Eurer Sicht nehmen?


Weiterführende Informationen

Wer noch ein paar Eindrücke zur Ausbildung bei Audi vertiefen möchte, der darf gerne noch einen Blick auf auf das nachfolgende Video werfen.

  • Pingback: MOOCathon #cl2025 – Runde 9 | Audi als Lernbegleiter in die Zukunft – GIS Practice()

  • Jens Hamann

    Frage 1:
    Sicherlich ein UX Thema. Die Zielgruppengerechte Gestaltung ist wichtig. Aber
    was bei der einen Generation ankommt, ist evtl. für eine andere Generation
    schon wieder unpassend. Hier sehe ich eine große Herausforderung.

    Eine weitere
    Herausforderung sehe ich in der Aktualität des Contents. Ich glaube, vor allem
    Themen die einen hohen Neuigkeitsgrad aufweisen und über die ich mich „mal kurz“
    informieren möchte, sind für das mobile lernen interessant.

    Frage 2: Ich
    bin mir sicher, das mobile lernen wird weiter zunehmen. Evtl. gibt es noch die
    Hürde privates und geschäftliches Mobiltelefon/Tablet, denn nicht jeder möchte
    immer und überall erreichbar sein. Zudem ist ggf. das Thema Netzabdeckung
    wichtig.

    Auch das
    Thema lernen durch z.B. lesen eines eigenen, Unternehmens-Newsletters (ähnlich Flipboard)
    halte ich für eine gute neue Entwicklung.

  • Martina Pumpat

    Frage 1:
    – UX
    – Schnelle Ladezeiten (wir alle klicken heute Seiten weg, die nicht schnell genug laden oder ärgern uns über Videos, die die Ladezeit verlängern)
    – Hoher Grad an Flexibilität und Diversität (hier braucht es das “Lernbuffett” – also unterschiedliche Formate und Längen an Lernstoff, die ich mir je nach Situation wähle)
    – Mobiles Lernen wird anerkannt – im Sinne von ich habe etwas vozuzeigen (solange sich Deutschland noch im Zertifikatswahn befindet…)
    – Muss Spaß machen!! Auch integrierte Quizzes etc. – mit einer Balance zwischen supersimpel (gähn und demotivierend) und zu schwer (ebenfalls demotivierend)
    – Content muss offline ladbar sein (wenn ich weiß, ich bin die nächsten Stunden ohne WLAN, dann müssen die Dateien trotzdem verfügbar sein)

    Frage 2:
    – Hoher Personalisierungsgrad (ich kann mir heute mein Smartphone einrichten wie ich will und den (privaten) Desktop ebenso, das erwarte ich dann als User auch von meiner Lernplattform
    – Hoher Vernetzungsgrad (ich kann als Lerner definieren, ob mich andere Lerner “sehen” können; heißt: Wenn ich ein Lernthema wähle, dann zeigt mit das System, wer gerade noch alles an diesem Thema arbeitet und ich kann Kontakt aufnehmen
    – Gamification Anteile für die User, die es gerne nutzen würden (Scores, Rankings, Leaderboards, Gilden)
    – Angebot von Lernpfaden; wenn ich mit einer Thematik beginne, werden mir mögliche verschiedene Pfade angezeigt und auch Querverbindungen zu Themen, auf die ich selbst nicht kommen würde
    – Einsatz von Bots für die schnelle Beantwortung von Standardfragen
    – Intelligentes Reminding/Refreshing (wenn das Lerysystem (?) merkt, dass ich mit einerm Thema Schwierigkeiten habe, dann spielt es die Inhalte automatisch wieder ein)
    – Intelligente Planungsunterstützung (wenn ich angebe, dass ich am Tag x den Stoff b beherrschen muss, dann schneidet mir das System den Stoff in Häppchen, gleicht die Häppchen mit meinem Kalender ab und plant für mich vor).

  • Zu Frage 1)

    Auf Anhieb fällt mir die Selbstlernkompetenz der Lernenden ein, die aber auch ganz allgemein für digitales Lernen / E-Learning gilt:
    Selbstgesteuert und ohne Austausch durch komplexe Aufgabenstellungen durcharbeiten? Auch beim mLearning sollte die Lernbegleitung und Beratung nicht vernachlässigt werden. Selbst die beste Lernanwendung kann einen Lernbegleiter und sein (implizites) Expertenwissen nicht ersetzen. Zusätzlich treten zu Beginn einer neuen Tätigkeit (Berufswechsel, Ausbildung, Studium, etc.) ebenso viele (individuelle) Fragen auf, die eine Anwendung nicht in vergleichbarer Weise beantworten kann. Die Interaktion zwischen Mensch und Technik/Maschine ist immer noch eine andere wie die von Mensch zu Mensch. In dem Zusammenhang ist sicherlich die Lernmotivation auch ein wichtiges Stichwort.

    Weitere zu berücksichtigende Faktoren sind:
    Je nach Zielgruppe, die Medien- und Kommunikationskompetenz sowie in allgemeiner Hinsicht das Lern- und Arbeitsumfeld

    Das Potential von mLearning ist an dieser Stelle natürlich unbestreitbar: realitätsnahes Üben und Anwenden mit Bezug zur Arbeit (in einem geschützten “virtuellen Raum”) – sofern didaktisch-adäquat und bedarfsorientiert gestaltet. Es stellt somit eine sehr gute Ergänzung zu weiteren didaktischen Szenarien dar (wie Coaching, Projekte oder auch Peer Learning, Communities etc., wie es schon mein Vorredner erwähnte), die zur Lerneffizienz und Nachhaltigkeit beitragen kann. Jedenfalls immer den Lernenden in den Vordergrund stellen!

    Zu Frage 2)
    Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 (https://www.haufe.de/download/wirtschaft-weiterbildung-ausgabe-62016-wirtschaft-weiterbildung-364610.pdf#page=18) arbeiten bereits 54 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mobil. Dadurch, dass “Mobiles Arbeiten” sukzessiv zunimmt und Lernen einen stärkeren Einzug in die Arbeitsprozesse erhält, wird auch mLearning einen Anstieg verzeichnen.

    Die wichtigere Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt, ist, wie bereiten wir uns darauf vor und wie können wir die Qualität des Lernens in Zukunft sicherstellen? Ein Aspekt der mir aus technischer Perspektive hierzu einfällt: Auf (Lern-) Content und Formate zurückgreifen, die zukunftssicher sind und Materialien und Wissen somit auch nicht verloren gehen.

  • Martin Geisenhainer

    Ich bin davon überzeugt, dass mobil genauso wenig Lernen stattfinden wird, wie am PC, wenn dies nichts anderes bedeutet, als hübsch aufbereitete Inhalte zu konsumieren. Denn all dies geht gleich wieder vergessen, wenn es nicht reflektiert und angewendet werden kann. Insbesondere den Reflexionsprozess erachte ich für das Lernen als prominent. Und er ist aus meiner Erfahrung nachhaltiger, wenn er im Austausch mit Peers stattfindet.
    Bei Swisscom verknüpfen wir das Konsumangebot von Lerninhalten zunehmend mit Communities und verlagern zu bewältigende Aufgaben in diese, mit der Empfehlung, diese gemeinsam zu diskutieren und zu lösen.
    Dergleichen funktioniert unbedingt auch mobil, insbesondere junge Menschen schreiben über den Tag verteilt halbe Romane in sozialen Netzwerken und sind es gewohnt, sich mit ihren Kreisen auszutauschen.

  • herb just

    Zu 1) Selber machen lassen.

    Meine Erfahrungen des Unterrichtens mit mobilen Geräten
    liegt schon mehrere Jahre zurück. Den Umgang mit IPads beherrschten damals weder
    ich noch meine Schüler. Lehrmaterialen standen auch noch nicht zur Verfügung.

    Die Schüler kamen mit der Technik schneller zurecht als ich selbst. Im Nu
    machten sie Filme, schnitten diese und verwendeten Effekte, die verblüffend
    waren.

    Ich sah eines: Jugendliche sind kreativ im Umgang mit den neuen Medien, man
    muss sie machen lassen, herausfordern und wenig kontrollieren.

    Mit mobilen Geräten kann man Lernstoff abrufen, man kann ihn aber auch selbst produzieren.
    Ich habe damals die Aufgabe gestellt ein 1-Minuten-Video zu produzieren. Eine
    Gruppe erstellte ein nettes Stopp-Motion-Video in einer Schulstunde (45
    Minuten).

    Nach der Erfahrung habe ich immer wieder
    Lernvideos von den Schülern machen lassen, z.B. zerlege einen PC, filme das und
    erkläre die einzelnen Teile und Funktionen.

    In euren Videos erkennt man sofort den Spaß, den die Schüler
    mit dieser Art des Lernens haben. Man sieht auch die Professionalität des
    Lernmaterials.

    Könnte man versuchen die Schüler selbst Lernmaterialien erstellen zu lassen?
    Jean-Paul Martin hatte vor Jahren seine LdL-Methode (Lernen durch Lehren)
    propagiert. Ebenso gut könnte man Schüler
    aktiv Lehrmaterial produzieren lassen. Das hätte zwei Effekte: Die Schüler
    beschäftigen sich mit der Thematik und lernen den vertieften Umgang mit den Medien.
    Wenn dann noch da und dort brauchbare Materialien herauskommen ist das kein
    Fehler.

    • Stefan Deibel

      Hallo Herb,
      der Ansatz des Selbsterstellten Lerncontents geistert in meinem Kopf ebenfalls herum. Hier wäre meine Fragen, inwieweit solche Lernnuggets bereits schon z.B. bei AUDI erstellt und verbreitet werden. Die Erkenntnis, dass Azubis und Studenten sich tief in Themen einarbeiten können und das erworbene Wissen teilen möchten und können, hat sich auch bei uns in den letzten Monaten deutlich gezeigt. Stichwort: Wissensmanagement und -Vernetzung.

      • herb just

        Hallo Stefan,
        selber machen lassen und sehen was rauskommt. Ich war oft überrascht von den Ergebnissen. Und ein Tipp – kontrollieren ja, reinreden nein.

        • Susanne Husterer

          Hallo zusammen, danke für die Anregungen! Ja, die Auszubildenden erstellen bereits selbst Lernnuggets, die sie dann auch mit den anderen Auszubildenden teilen können. Oftmals entstehen Videos, Checklisten, aber auch selbst erstellte Bücher (mit Videos, Ton, Bild usw. angereichert) etc. Ich kann dem vorherigen Kommentar nur zustimmen! Die Auszubildenden sind dabei sehr kreativ am Werk und haben dabei die Möglichkeit, sich tief in ein Thema einzuarbeiten.

  • Janine Kirchhof

    Zu Frage 1: Akzeptanz und Raum für mobiles Lernen, intuitive Handhabung, Lernen zum Erlebnis machen. Zu Frage 2: Mobiles Lernen ist bereits Alltag, dies sichtbar zu machen und zu strukturieren ist die Herausforderung.

  • Charlotte B. Venema

    Frage 1) Ich glaube nicht, dass die Linie zwischen Erfolg und weniger Erfolg ,-) entlang der Linie “digital” oder “nicht digital” verläuft. Es hängt eher davon ab, ob das Potenzial der digitalen Medien ausgeschöpft wird, oder ob nur eine Entwicklung hin zu anderen Hilfsmitteln stattfindet. Beispiel: Vom Präsensseminar zum Webinar ist zwar in der Regel ein Effizienzgewinn, aber bleibt weit unter dem Potenzial digitaler Medien. Der wirkliche Gewinn hier ist die selbstständige und eigenverantwortliche Arbeitsweise, die Netzwerke, die beim Lernen zwischen den Azubis entstehen und die Übergabe der Initiative an den Lerner. Also haben die digitalen Medien eine große Bedeutung, aber auch der klassische Austausch unter Anwesenden kann diese neue Qualität entfalten.
    Frage 2) Die Entwicklung sollte also zu einer qualitativen Betrachtung von Lern- und Entwicklungsprozessen gehen. Die digitalen Medien werden in der Aus- und Weiterbildung bald so selbstverständlich sein wie das Telefon am Arbeitsplatz. Diese neue Qualität zu heben und – wie das hier geschieht – schon den Azubis zu vermitteln, was damit erreicht werden kann und wie bereichernd das ist – das ist der Schritt vorwärts.
    Da stellen sich dann in der Folge ein paar interessante Fragen zum Thema “Führung”.

  • ZuFrage 1:

    Zunächst erstmal: Ich bin beeindruckt von den kurzen Videos zur Ausbildung bei Audi. Der
    Aufbau einer Lehrwerkstatt und die anschließende Ausbildung der damals ersten
    Elektroniker-Berufe bei Siemens war mein beruflicher Start als
    Ausbildungs-Ingenieur bei Siemens. Deshalb bin ich sehr beeindruckt, nicht nur von
    den fast weiß gekleideten Azubis in der Werkstattumgebung, auch von dem
    dargestellten selbstständigen Erarbeiten des fachlich richtigen Lösens
    typischer Aufgaben. Und das offensichtlich noch im Team von mehreren, die sich
    darüber austauschen.

    Das selbständige Erarbeiten scheint mir auch mehr der Wesens-Kern des sogenannten „mobilen“
    Lernens zu sein. Ja, die Orts- und Zeit-Unabhängigkeit ist eine wesentliche
    Hilfe. Aber mehr wirkt aus meiner Sicht das Zutrauen „Du wirst es auch allein
    herausbekommen, wie man es richtig machen muss.“ Gut vorbereitetes Lernmaterial
    ist dafür am Anfang wichtig. Das stärkt schnell das Erleben von „Selbstwirksamkeit“
    und trainiert ganz nebenbei die Selbstlernfähigkeit, als gute Basis fürs
    lebenslange Lernen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass im Laufe der
    Ausbildung die Aufbereitung von Lernmaterial immer weniger wichtig wird. Am
    Ende müssten die Azubis mit den üblichen Werkstattunterlagen allein klarkommen.
    Und wenn etwas unklar ist, dann haben sie bis dahin alle Fähigkeiten, um sich
    die fehlenden Infos zu beschaffen.

    „Mobiles Lernen“ könnte aus meiner Sich treffender „selbständiges Lernen“ heißen.

  • Stefan Deibel

    Zu 1)
    – Bedienungskompetenz (vermittelbar)
    – Medienkompetenz (vermittelbar)
    – Technische Rahmenbedingungen: Konnektivität, etc. (bereitstellbar)
    – Arbeitszeitliche Rahmenbedingungen, BR-/GF-Vorgaben (umsetzbar)
    – Einbindung ins tägliche Arbeiten/Lernen (vorllebbar)
    – Finanzierbarkeit (…)
    – Technischer Supportu 24/7
    – Begleitung durch Bereitstellung bedarfsgerechter Entwicklungspfade, Module, Quellen

    Zu 2)
    Die Weiterentwicklung und der Einsatz von AR/VR wird aus meiner Sicht stark zu nehmen. Gerade in Branchen, in denen Lehrwerkstätten oder Praxisprojekte nur mit hohem Aufwand und entsprechendem Risiko behaftet sind.
    Spannend in diesem Zusammenhang: In der Luftfahrt wird schon seit Jahrzehnten mit Simulatoren gearbeitet, was auch einer VR entspricht. Dass diese Technologie jetzt erst vermehrt auch in anderen Branchen zum Einsatz kommt, überrascht schon ein wenig.

    Das mobile Lernen wird auch unter dem Gesichtspunkt der effizienteren Arbeitszeitnutzung vermehrt zum Einsatz kommen. Bspw. können Fahrt- und Wartezeiten für individuelle Entwicklungsmodule genutzt werden.