CLP111: Qualitätssicherung durch Lernbegleitung zur Kompetenzentwicklung bei DATEV

Alper Aslan ist User Experience (UX) Researcher bei DATEV. Durch Kundeneinbezug versucht man dort, eine hohe Qualität der Software sicherzustellen bzw. die Qualität kontinuierlich zu erhöhen. Nun hat er begonnen diesen Job des „Kontolleurs für Software-Qualitätsicherung“ umzubauen. Er erfüllt diesen Auftrag jetzt als Lernbegleiter für Mitarbeiter, die in ihren Abteilungen selbst für zufriedene Kunden sorgen wollen. Darüber, und über seine 10 Thesen für Lernbegleiter, hat er in diesem Interview gesprochen.

Sketchnote von Karl Damke

Sketchnote von Karl Damke

Die DATEV-Abteilung in der Alper Aslan arbeitet, war das “Quality Gate”, durch das alle Software-Projekte vor Freigabe mussten. Wenn man das in die Entwicklungsabteilungen verlagert, geht das schneller und wirkt auch auf die nachfolgenden Projekte. Dafür muss man die Kontroll-Rolle ablegen und stattdessen Mitarbeiter fit machen, das selber zu können. So Alper Aslans Idee. Er kommt nicht aus dem Learning-Umfeld und hat deshalb ganz unbefangen einen neuen Ansatz für begleitete Kompetenzentwicklung umgesetzt, der in der Organisation ankommt. Jetzt sind es schon 2 Personen, die in seiner Abteilung als Lern-Begleiter wirken.

Aus seinen Erfahrungen als Lernbegleiter zur Entwicklung von Kompetenz hat er 10 Thesen für Lernbegleiter aufgestellt, die er am Ende des Podcast auch noch erläutert:

  1. Lernen basiert auf Freiwilligkeit. Wir führen Gespräche über unser Konzept der Lernbegleitung. Wir schaffen Transparenz über gegenseitige Erwartungen. Wir geben einen Ausblick auf die Zusammenarbeit. Wir lernen uns gegenseitig kennen. Aber die Teilnahme ist freiwillig.
  2. Lernbegleitung ist Verführung. Man kann niemanden zum Lernen zwingen. Fremdgesteuerte Lernziele sind nutzlos ohne Einsicht. Als Lernbegleiter weckt man bestenfalls die Neugierde, bspw. durch die Demut vor der eigenen Unwissenheit und das Aufzeigen der Macht der Frage.
  3. Lernen bedeutet (auch) Gelerntes zu hinterfragen (Unlearn). Es gibt Gründe, warum wir tun, was wir tun, und wie wir es tun. Wenn man eine Verhaltensänderung erreichen möchte, dann braucht es Transparenz und Kommunikation über bestehende Glaubenssätze – und Systemänderung.
  4. Lernen entsteht im Kontext eines Problems. Natürlich kann man auch bedingt auf Vorrat lernen. Aber im Großen & Ganzen entstehen neue Fähigkeiten durch ihre Anwendung (bzw. werden so sichtbar). Wir lösen daher nur echte Probleme. Als Lernbegleiter erfinde ich keine Aufgaben.
  5. Lernen von Tiefenwissen “auf Vorrat” ist Verschwendung. Das mag UX Research spezifisch sein, aber als Basis reicht ein Verständnis für bestimmte Grundsätze von UX, Marktforschung & Datenschutz. Es reicht erkennen zu können, dass Tiefenwissen bei einem Problem helfen würde.
  6. Lernbegleitung bedeutet Angebote zu schaffen. * Vorbereitung * Durchführung und Beobachtung * Nachbereitung und Reflektion Mit mir gemeinsam, alleine oder durch Selbstlernmedien (bspw. #lernOS).
  7. Wissen alleine reicht nicht, es braucht Verstehen. Wer das konkrete Werkzeug lehrt, erzieht gute Anwender. Wer das Prinzip der Werkzeuge vermittelt, weckt die Neugierde und das Potential für völlig neue Werkzeuge.
  8. Lernen durch eigenes Nachdenken ist wirksamer als Lernen durch Imitation. Mit Problemen konfrontiert zu werden und diese lösen zu wollen ist ein Lernbeschleuniger, vor Allem, wenn man scheitert. Ein Lernbegleiter sollte das aushalten und nicht sofort die Lösung präsentieren.
  9. Rockstars sind schlechte Lernbegleiter. Expertise bedeutet nicht auf jede Frage eine Antwort zu haben. Expertise bedeutet zu jeder Frage gute Fragen stellen zu können. Lernbegleiter nehmen sich zurück und stellen den Lernenden in den Mittelpunkt.
  10. Jeder Lernende ist anders. Und jede Situation ist einzigartig. Es gibt keine Blaupause für Lernen und Lernbegleitung. Erwartet positiv überrascht zu werden! Fördert die Stärken. Forciert die individuellen Interessen. Weckt die Neugierde. Verführt.