5. Treffen der Corporate Learning Community – Region NRW – #clc40

Ein Bericht von Wilma Hartenfels

Das Auftakttreffen der NRW Colearn Community clc40 im neuen Jahr fand am 22. Januar in Düsseldorf statt. Wir waren der Einladung von Katharina Kamps gefolgt und trafen uns in der Werkstatt der ARAG SE. Der ARAG Konzern gilt als Deutschlands größter Versicherer in Familienbesitz. 

Das Treffen startete um 18 Uhr mit insgesamt 26 Teilgebenden mit einer kleinen Orga Session zum Thema ‚Was wollen wir als NRW Community erreichen‘ und welche Aufgaben fallen an. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich unser Versuch der Selbstorganisation einer Community weiterentwickelt:

Wir haben im Laufe des letzten Jahres herausgefunden, dass komplette Selbstorganisation ohne fixe Rollen nicht funktioniert. Besonders für die Moderation der Community auf Xing, Slack und den Events werden feste Ansprechpartner benötigt, die die Aufgaben zumindest für ein paar Monate übernehmen. Die Organisation der Location und Fokusthemen kann dann von wechselnden Community Mitgliedern übernommen werden. Allerdings sind auch hier gewisse Standards in Form von kurzen Checklisten sinnvoll, um es neuen Organisatoren leichter zu machen und um zu gewährleisten, dass die Treffen in einem angemessenen Rahmen stattfinden.  

Nachdem der organisatorische Teil erledigt war, moderierte Jürgen eine Aufwärmrunde nach dem Prinzip 1-2-4-All. Dabei gab es ein paar Leitfragen, wie z.B. ‚Wie willst Du Dich in der CLC40 einbringen‘ und ‚Wie siehst Du die Zukunft der CLC40 Community‘. Die Reflektion fand dann erst individuell statt, anschließend in 2er und 4er Gruppen. Am Ende hatte jede Gruppe die Gelegenheit, kurz ihre Reflektionen mit dem Rest der Community zu teilen.

Im Anschluss tauschten wir uns im bewährten Mini-BarCamp-Format in 2 Slots mit jeweils 4 Sessions zu generellen Themen und Trends im Corporate Learning aus. Ab April werden wir bei jedem Treffen ein Fokusthema setzen, um noch mehr in die Tiefe gehen und voneinander lernen zu können. Diese Treffen werden dann voraussichtlich mit einem kleinen Kick-off Input zu dem Thema starten, bevor die Barcamp Sessions beginnen.

Die Themen des Treffens im Januar dagegen waren noch sehr breit gestreut. Hier ein Überblick über Einige der Session Outcomes:

70-20-10‘ von Frank

Die These: ‚Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben‘. Disktutiert wurde, dass 70-20-10 (Learning by doing, through others und durch formale Lernformate) bei der Verhaltensänderung durch mehr Lernen am Arbeitsplatz, mehr Spaß und direkten Nutzen hilft. Der Fokus der Diskussion lag auf den 20 % am Beispiel des T Mindest: T Mindset bedeutet, dass die ganze Community (der Balken) von den Experten (die Stütze des T) lernt, die ihr Wissen weitergeben. Das heißt, dass jeder in der Community mal die Rolle des Lernenden, mal die Rolle des Lernbegleiters innehat.

Slack/MS Teams‘ von Frank

Die Teilnehmer dieser Session waren sich einig, dass Slack und MS Teams gute Tools sind, damit verteilte Teams effizienter zusammenarbeiten können. Tools wie ein Gruppen Chat, Dateiablage, Kommentare, Feedback, Online Meetings und Video Sessions ermöglichen mehr Transparenz (z.B. wer hat was geschrieben?) und Spaß. Verteilte Teams können dadurch über unterschiedliche mobile Endgeräte miteinander arbeiten und voneinander lernen. Je mehr Projekte über das Tool abgewickelt werden, desto höher ist der Nutzen. Wichtig ist dabei der niedrigschwellige Einstieg für den Nutzer. Idealerweise werden diese Tools in Trainings und bei der Arbeit benutzt.

Lernen vs. Wissen finden‘ von Sergio

Die Session startete mit der Frage, ob klassisches langfristiges Auswendiglernen heutzutage wirklich noch notwendig ist, oder ob man seinen Mitarbeitern lieber Mittel und Wege zur Verfügung stellen sollte, schnell und unkompliziert an benötigte Informationen heranzukommen.

Folgende Gründe sprachen laut der Teilnehmer gegen klassisches Lernen: Wissen, welches nicht praktisch angewendet wird geht schnell verloren (Vergessenskurve von Ebbinghaus); die Halbwertszeit von Wissen wird durch den rasanten Fortschritt immer geringer; klassisches Auswendiglernen = unnötiger Zeitverlust, sofern ich schnell an die benötigten Informationen herankomme.

Es wurden aber auch Gründe gefunden, die für klassisches Lernen sprechen: Um Gesamtzusammenhänge zu verstehen muss bestimmtes Wissen dauerhaft vorhanden sein; Grundlagenkenntnisse sind notwendig um Informationen schnell verarbeiten zu können.

Es wurde dann noch über die Möglichkeiten des Perfomance Supports diskutiert, um Mitarbeitern benötigte Informationen möglichst schnell und unkompliziert zur Verfügung zu stellen (Ziel = Wissen finden in 2 „Klicks“ und 10 Sekunden). Dabei ist es wichtig, Wissen nach Rollen und Prozessen strukturiert und idealerweise kontextsensitiv (also dann, wenn es benötigt wird), zur Verfügung zu stellen. Bei IT-Anwendungen lässt sich Performance Support relative leicht erreichen, da man das Wissen direkt ins Tool einbauen kann. In Non-IT Bereichen ist es deutlichen aufwendiger und komplizierter.

Das Ergebnis der Debatte war, dass nicht jedes Wissen über Performance Support oder ähnliche Unterstützungen bereitgestellt werden kann (Grundlagen & Zusammenhänge), sondern klassisch erlernt werden muss. Aber: Die Lernzeit, die Mitarbeiter durch Performance Support sparen, können sie in die Erlernung von Grundlagenwissen und Gesamtzusammenhänge investieren. Das Ziel sollte also die richtige Kombination aus klassischen Lernmethoden und gut strukturiertem Performance Support sein.

AIDAOR – Customer Journey Patterns im E-Learning-Marketing von Anders

In der AIDAOR Session von Dr. Anders Lehr der HHU Düsseldorf ging es darum, dass oftmals E-Learning-Module entwickelt werden, ohne sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie man diese an die Zielgruppe bringt und sie gut „vermarktet“, obwohl davon der Erfolg des Lernangebots abhängen kann. Dr. Lehr stellte das Customer Journey Pattern von Alex Cowan zum Launch von Produkten vor, das sich abgewandelter Form auch auf E-Learning-Angebote übertragen lässt.

 AIDAOR – steht für Attention, Interest, Desire, Action, Onboarding, Retention – und lässt sich als Ideengenerator im Design Thinking einsetzen. Dazu geht man die folgenden Schritte aus „Kundensicht“ durch und fragt sich im Team, was der Kunde erleben soll oder auch muss, um das Produkt zu nutzen und zu lieben!

Attention – Aufmerksamkeit

  • Ist das Produkt sichtbar?
  • Setzt sich das Produkt von anderen ab?

Interest – Interesse

  • Wie weckt das Produkt das Interesse der Zielgruppe?
  • Warum? Warum nicht? 

Desire – Verlangen

  • Stellt das Produkt eine emotionale Verbindung her?
  • Löst es ein Problem der Zielgruppe? 

Action – Aktion

  • Was muss die Zielgruppe tun, um das Produkt zu nutzen?
  • Wie leicht / schnell geht es? 

Onboarding – an Board bringen

  • Wie schnell / leicht bekommt die Zielgruppe eine „gutes Gefühl“?
  • Wie? Warum? Warum nicht? 

Retention – Beibehaltung / Nachhaltigkeit

  • Hält das Produkt die Zielgruppe bei Laune?
  • Würde die Zielgruppe es öfters nutzen?
  • Warum? Warum nicht? 

Viel Spaß beim Ausprobieren am eigenen Projekt!

Erfahrungsaustausch zu Communities von Vera

An der Session „Erfahrungsaustausch zu Communities“ nahmen nur vier Personen teil. In dieser eher kleinen Runde wurde über Communities an sich, insbesondere aber über konkrete persönliche Erfahrungen gesprochen. Aus der Session haben wir folgendes mitgenommen:

Eine Community kann unterschiedliche Ziele verfolgen.

  • Konkretes gemeinsames Ziel: Mitglieder versammeln sich hinter dem gemeinsamen Ziel und die Community zerfällt mit großer Wahrscheinlichkeit nach Zielerreichung.
  • Impulse und Austausch: Mitglieder treffen sich, um neue Impulse zu erhalten und um sich mit anderen Menschen auszutauschen, wie beispielsweise aktuelle in der #CLC40-Community.
  • Kollaboration: (Einige) Mitglieder versammeln sich, um gemeinsam und über einen längeren Zeitraum an einem gemeinsamen Anliegen zu arbeiten.

Für das Zustandekommen und die Weiterentwicklung einer Community ist offenbar eine Art „Kernteam“ oder „Community Management“ nötig, das die Community immer wieder aktiviert (kitzelt) und sich um grundlegende/ organisatorische Dinge kümmert.

Auch wurden die Erfahrungen aus absolvierten Working-out-Loud (WOL) Circeln eingebracht und aus unterschiedlichen Blickwinkeln, individuell und aus Unternehmenssicht, diskutiert.

Die gemeinsame Erfahrung derjenigen, die einen Circle durchlaufen haben ist die, dass sie durch WOL offener für das (virtuelle) Netzwerken geworden sind und ihren Kontakten gegenüber eine Wertschätzung entwickelt haben. Es sind halt nicht mehr „irgendwie Kontakte“ (wie in einem Adressbuch).
Bei der Frage, ob WOL als Methode in Unternehmen sinnvoll ist, gab es den Hinweis, dass WOL vor allem dann etwas bewirkt, wenn sich Leute mit individuellen Zielen auf den Weg machen. Es sei keine Initiative, die man in ein Unternehmen hineinbringen kann, damit sich nun alle daran beteiligen.

Innovative Lernformate‘ von Ramona

Die Session von Ramona sollte eine Vorbereitung zum geplanten Event im November bei GS1 werden, in der wir uns auf das Thema Innovative Lernformate konzentrieren wollen. Zuerst fand ein kurzes Brainwriting statt, um herauszufinden, mit welchen innovativen Lernformaten sich die Teilnehmer schon beschäftigt hatten. Danach wurden die Formate nach Themen geclustert. Am Ende legte die Gruppe fest, welche Formate wir in den nächsten Monaten über unsere NRW Slack Gruppe mehr beleuchten wollen: KI im Bereich L&D, Lernbrücken durch Blockchain und Selbstorganisiertes Lernen. Jeder, der in der NRW Colearn Community aktiv ist, kann sich an der Diskussion unter dem Channel ‚FutureLearning‘ beteiligen. Alle, die noch keinen Zugang zu Slack haben, melden sich bitte bei Jürgen Sapara (@JSapara).

WOL vs. LernOS‘ von Sabine

‚Was ist eigentlich der Unterschied zwischen WOL von John Stepper und LernOS von Simon Dückert‘ fragten sich die Teilnehmer dieser Session. Neben einer kleinen Abweichung der Dauer (12 vs. 13 Wochen) lag aus Sicht der Teilnehmer der größte Unterschied in der Möglichkeit, LernOS anzupassen und in der Community weiterzuentwickeln, während die Inhalte von WOL sehr stark geschützt sind was eigentlich der Idee der Generosity von WOL wiederspricht. Kleiner Hinweis: Auf der Abbildung ist ein Punkt verrutscht: ‚Fokus auf Mindset, Toolset & Skillset‘ gehört unter LernOS!

 

Gegen 21.30 Uhr beendeten wir dann das Treffen und fuhren sehr inspiriert nach Hause.

Ein großes Danke an Katharina Kamps, der ARAG und allen Teilnehmern für den anregenden Austausch!

Viele Grüße aus NRW!

Wilma