KI-Scouts: Die Brückenbauer für erfolgreiche KI-Projekte
In der September-Session des CLC Lunch&Learn stellte Dr. Tobias Krafft das Konzept der KI-Scouts vor. Das sind Mitarbeitende, die als interne Brückenbauer Chancen erkennen, KI-Projekte anstoßen und deren Nutzen verständlich vermitteln. KI-Scouts helfen dabei, dass Menschen, Organisationen und Technologien zueinanderfinden.
Mit dem Aufkommen von generativer KI dominiert in vielen Führungsetagen der Hype, möglichst schnell zu investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Diese Dynamik führt dazu, dass Unternehmen zwischen Zukunftsangst und Aufbruchsstimmung schwanken. Die Schaffung von Akzeptanz steht im Mittelpunkt. KI-Projekte scheitern selten an fehlender Technik, sondern eher an Vorbehalten, Ängsten oder mangelnder Einbindung. Die Menschen wollen verstehen, wie und wofür KI eingesetzt wird und welchen Einfluss sie auf ihre Arbeit hat. Transparente Kommunikation, Partizipation und eine Kultur der offenen Mitgestaltung sind daher entscheidend.
Die Dynamik im Feld der Künstlichen Intelligenz ist enorm: Täglich entstehen neue Modelle, Tools und Anbieter. Plattformen wie There’s an AI for that zeigen, dass es bereits Millionen von Anwendungsfällen gibt. Für Unternehmen bedeutet das: Orientierung wird zur entscheidenden Ressource.
Traditionell erfolgt dies über externe Beratung, doch KI-Expertise ist teuer und auf dem Markt knapp verfügbar. Genau hier setzen KI-Scouts an. Sie unterstützen dabei, Potenziale für KI direkt dort zu erkennen, wo die Probleme entstehen, nämlich in den entsprechenden Bereichen der Organisation.
Die Rolle der KI-Scouts umfasst drei zentrale Aufgaben:
- Potenziale identifizieren – Chancen für KI-Einsatz frühzeitig erkennen.
- Bewerten und übersetzen – Business Cases prüfen und zwischen Fachdomäne und Technik vermitteln.
- Akzeptanz fördern – als Brückenbauer Vorbehalte abbauen und Change-Prozesse begleiten.
Damit schaffen KI-Scouts einen doppelten Mehrwert:
- Sie verkürzen den Weg von der Idee zur Umsetzung.
- Sie stärken die interne Kompetenz und reduzieren Abhängigkeiten von teuren externen Beratern.
KI-Scouts sind Übersetzer, Lotsen und Kulturträger. Sie helfen Unternehmen, die Chancen von KI gezielt und verantwortungsvoll zu nutzen.
KI-Scouts: Eine kluge Investition in die digitale Zukunft
Warum lohnt es sich für Unternehmen, auf KI-Scouts zu setzen? Die Antwort ist einfach: Weil Technologie ohne Menschen nicht wirksam wird.
1. Interne Kompetenz statt Abhängigkeit
KI-Scouts bauen Wissen dort auf, wo es benötigt wird: in den einzelnen Abteilungen. Sie helfen dabei, externe Beratung gezielt zu nutzen, ohne sich blind darauf zu verlassen.
2. Schnellere Umsetzung
Werden Potenziale direkt an der Basis erkannt, verkürzt sich der Weg von der Idee zur Lösung. Das steigert die Effizienz und verschafft einen echten Wettbewerbsvorteil.
3. Höhere Akzeptanz
Scouts sprechen die Sprache der Kolleg:innen und bauen Ängste ab. Als glaubwürdige Übersetzer zwischen Technologie und Alltagspraxis sind sie ein zentraler Erfolgsfaktor für Change.
4. Motivation & Bindung
Befähigung motiviert. Wer sich einbringen kann, fühlt sich ernst genommen. Das senkt die Fluktuation und stärkt die Innovationskraft.
5. Innovation fördern
Scouts erkennen nicht nur Probleme, sondern auch Chancen. Sie unterstützen dabei, kreative Ideen in konkrete Projekte umzusetzen und steigern so die Innovationsfähigkeit der Organisation.
KI-Scouts: Gestaltungskräfte für verantwortungsvolle KI-Anwendungen
Die Trusted AI GmbH bietet eine kompakte und praxisorientierte Weiterbildung zum KI-Scout an. Diese zielt darauf ab, Mitarbeitende zu internen Orientierungs- und Gestaltungskräften für den verantwortungsvollen KI-Einsatz zu machen – nicht zu Technik-Spezialisten.
Der Lehrplan umfasst vier zentrale Bereiche:
- Grundlagen verstehen: Vermittlung des Basiswissens zu Algorithmen, Daten, verschiedenen KI-Ansätzen und den klaren Grenzen der Technologie.
- Anwendungen identifizieren: Scouts lernen Methoden, um betriebliche Schwachstellen (Pain Points) zu erkennen und zu beurteilen, wann KI eine sinnvolle Lösung ist.
- Bewerten und entscheiden: Hier steht das kritische Prüfen externer Angebote, das Abwägen von Business Cases und Risiken sowie der Umgang mit Compliance, Datenschutz und der KI-Verordnung im Fokus.
- Kommunizieren & begleiten: Ein Schwerpunkt liegt auf Change Management, Akzeptanzförderung sowie der Anwendung von Soft Skills, um als Brückenbauer zwischen Fachbereichen, Technik und Stakeholdern (z.B. Betriebsrat) zu agieren.
Die Weiterbildung umfasst Praxis-Workshops, Fallstudien und Inputs von Expert:innen aus den Bereichen Jura und Change Management. Erfolgreiche Teilnehmende erhalten am Ende ein Zertifikat.
Themen der Diskussion im Anschluss an den Impulsbeitrag
Hier eine Übersicht der Diskussionsthemen:
- Scheitern von KI-Projekten
– Hinweis auf die MIT-Studie „GenAI Divide: State of AI in Business 2025„, in der festgestellt wurde, dass 95% der Unternehmen mit ihren KI-Projekten keinerlei Rendite erzielen, Einschätzung von Tobias Kraft (realistischer ca. 40–90 %).
– Problem der „unsichtbaren Misserfolge“ (Friedhof der KI-Projekte). - Praxisbeispiel Continental
– Erfahrungen mit AI-Guides (eine Lernreise nun mit über 3.000 Interessierten).
– Lernreise über 12 Wochen, Arbeit in Circles & Tandems, Motto: Never Prompt Alone. - Wettbewerbsvorteil durch KI
– Frage: Ist KI zwingend notwendig, um am Markt zu bestehen?
– Antwort: „Es kommt darauf an“ – in manchen Bereichen unverzichtbar, in anderen bleibt menschliches Know-how entscheidend. - Berufsbild Berater:innen
– Diskussion, ob Berater durch ChatGPT & Co. überflüssig werden.
– Abgrenzung: universelle Consultants gefährdet, spezialisierte Beratung weiterhin relevant. - Verbindung zu Lernbereitschaft in Unternehmen
– Bezug auf HRpepper/Bitkom-Studie: Mitarbeitende sehr lernbereit.
– KI-Scouts als Instrument, diese Bereitschaft dezentral zu nutzen – aber nur wirksam mit strategischem Rahmen. - Organisation & Umsetzung der Ausbildung
– Wer beauftragt: eher Unternehmen als Einzelpersonen.
– Gestaltung: kompakt (2–3 Tage) oder gestreckt über mehrere Wochen. - Use Cases für KI
– Generative KI als Türöffner: Textgenerierung, Ideenentwicklung, Chat-with-Your-Document.
– Niedrige Hemmschwelle, da Mitarbeitende privat schon Erfahrungen gesammelt haben. - Gesellschaftlicher Rahmen
– KI als „vierte Kulturtechnik“ (neben Lesen, Schreiben, Rechnen).
– Verantwortung von Organisationen, Befähigung aller Mitglieder sicherzustellen.
– Scouts-Modelle auch für die Gesellschaft denkbar (analog zu Lern-Scouts). - Generationenunterschiede in Digitalisierungskompetenz
– Beispiel: Junge Bewerber:innen kennen klassische Datei-Ordner-Struktur nicht.
– Diskussion über „Digitalisierungskompetenz“ als Basisanforderung.
Hinweise zum Einsatz von KI bei der Erstellung dieses Beitrags
TurboScribe: Videotranskription, ChatGPT/Gemini: Thematische Gliederung der Transkription in Chunks und Schreibunterstützung, DeepL: Paraphrasierung und Überprüfung.
