Halbzeit in der CLCA-Forschungsreise: Ein kurzer Boxenstopp

Zur Halbzeit unserer CLCA-Forschungsreise haben wir einen Boxenstopp in Präsenz eingelegt. Zwei Gruppen sind aktuell unterwegs – mit einem doppelten Ziel:

Zum einen arbeiten wir inhaltlich an konkreten Fragestellungen: a. Lernkultur und b. Selbstbestimmtes Lernen.

Zum anderen erproben wir die Forschungsreise selbst als Struktur: Kann daraus eine Infrastruktur entstehen, die auch zukünftigen Gruppen hilft, gemeinsam Unbekanntes zu erkunden?

Nach den ersten Wochen zeichnen sich einige Erkenntnisse ab.

1. Gute Forschung braucht einen Reißnagel

Eine hilfreiche Metapher für unsere Arbeit ist der Reißnagel: Zu Beginn braucht es eine gewisse Breite, um ein Feld zu erkunden, Perspektiven einzusammeln und Möglichkeiten sichtbar zu machen. Doch je weiter die Arbeit fortschreitet, desto wichtiger wird die Zuspitzung – insbesondere der Forschungsfrage, die sich die Gruppe stellte.

Eine gut ausformulierte Fragestellung ist wesentlich, darf aber gerne mitwachsen. Beide Gruppen haben in den ersten drei Wochen ihre Forschungsfrage immer wieder weiter geschärft. Auch das Ergebnis der Forschung (unsere Deliverables) sollte zu Beginn geklärt sein (a. ein Erhebungstool und b. eine Argumentationspapier), müssen aber ebenso nicht gleich komplett festgezurrt sein – auch sie dürfen sich mit zunehmender Erkenntnis schärfen.

Entscheidend ist jedoch: Irgendwann muss es spitz werden. Ohne Fokus verliert Forschung Richtung und diffundiert.

2. Begriffsklärung ist keine Nebensache

Eine zweite Erfahrung: Begriffe zu klären ist keine Formalität – es ist Forschungsarbeit.

Wo wir versucht haben abzukürzen („eh klar“), entstanden Missverständnisse oder scheinbare Einigkeit. Begriffe zu schärfen kostet Zeit, spart diese aber später und hilft, sich nicht zu verzetteln.

3. Forschung braucht Synchronisation

Gemeinsames Forschen bedeutet nicht nur individuelle Erkenntnisarbeit. Es braucht regelmäßigen Sync der verteilten Aktivitäten: Wo stehen wir? Was haben wir erkannt? Wo divergieren unsere Perspektiven? Was heißt das für die nächsten Schritte?

Gerade in verteilten Gruppen scheint diese Synchronisation wichtiger zu sein, als wir anfangs angenommen haben.

Unser Anspruch: pracademic statt entweder/oder

Wir versuchen, akademische Mindestanforderungen ernst zu nehmen und gleichzeitig den praktischen Kontext nicht aus dem Blick zu verlieren. Erkenntnisse sollen belastbar sein – und zugleich anschlussfähig für Praxis. Vielleicht beschreibt die Bezeichnung „pracademic“ unseren Anspruch ganz gut.

Und die KI?

KI ist für uns eine spannende Begleiterin – ist jedenfalls aber keine Abkürzung im Sinne von: Dann müssen wir uns selbst nicht mehr mit dem Thema beschäftigen.

Sie kann beschleunigen, Perspektiven öffnen und sehr schnell sehr viel Material liefern. Gleichzeitig kennen vermutlich viele das Gefühl: Man fragt etwas – und plötzlich entsteht WUPP („wow, unfassbar plötzlich viel“): ganz schnell ganz viel.

Das ist hilfreich und zugleich herausfordernd. Denn KI kann auch zum Moloch werden, der Fokus erschwert statt erleichtert. Aber sie kann auch Reflexionspartner sein und helfen, sowohl die Forschungsfrage als auch die inhaltlichen Ergebnisse spitz zu bekommen.

Wir sind gespannt, welche Erkenntnisse bis zum Ende der Forschungsreise Anfang Juli noch hinzukommen – inhaltlich und über das gemeinsame Forschen selbst.